Die Geschichte eines Dorfes

Wann die Bauern sich auf den Höhen von Dahl ansiedelten und so das Dorf Dahl gründeten, ist heute nicht mehr zu ergründen. Durch zahlreiche Brände, vor allem aber in der Zeit des dreißigjährigen Krieges, gingen viele Urkunden verloren, oder fielen der Vernichtung anheim. Fest steht jedoch, dass das Volmetal zu Beginn unserer Zeitrechnung, aus einer Moorlandschaft bestand und somit zunächst nicht besiedelt war, so siedelten sich denn auch die ersten Bauern auf den Höhen an. Hiervon zeugten noch die zahlreichen alten Höfe. Vor allem aber Grundmauerreste einer Burg auf dem Bollwerk. Eine alte Sage erzählt, von der Burg des Ritters Blaubart. An der gleichen Stelle, an dem der Wanderer heute die in mitten uralter Bäume idyllisch gelegenes Häuschen findet, soll einst, so heißt es in der Sage in einer stolzen Burg Ritter Blaubart gelebt haben, Dieser unedle Ritter raubte nacheinander sechs edle Frauen, um sie auf seiner Burg zu ermorden. Die siebte aber entging seinen mörderischen Plänen. Sie entdeckte die Leichen der ermordeten Frauen. Darauf stürzten Freunde der siebten Frau den Ritter von den Zinnen der Burg in die schauerliche Tiefe. Nach dem Zerfall der Burg errichteten zahlreiche Bauern aus den Trümmern ihre Häuser. Von den Mauern der ehemaligen Burg konnten in unserer Zeit noch die Grundrisse entdeckt werden. An der Ostseite des dort stehenden Häuschens sind an der Grundmauer, an drei verschiedenen Steinen Steinmetzzeichen und Runen festzustellen. Es erscheint als sicher, dass von dieser Burg auf dem Bollwerk schon in früher Zeit ein Verbindungsweg zu den Höhen von Ambrock bestand, hier in unmittelbarer Nähe des Gutshofes Ambrock dem heutigen Ribberthof, findet man noch heute die über 2000. Jahre alte germanische Walburg die wahrscheinlich als Fluchtweg an einer Kultstätte erwuchs. In der Sigamberzeit hatte sie strategische Bedeutung in der Reihe von Befestigungsanlagen . Die Flurbezeichnung Kemenate dürfte auf die Zeit dieser Wallburg zurückzuführen sein. Funde, die auf den Feldern des Ambrocker Gutshofes gefunden ,wurden, haben bewiesen, dass dieses Gebiet schon zur Steinzeit besiedelt war.

Der gesamte Ortsname erscheint zum ersten Mal urkundlich als „ castra Dale“ im Jahre 1184. Es ist sicher, dass ein germanisches Geschlecht jahrhundertelang seinen Sitz in der Gemeinde hatte. Darauf deutet unter anderem hin, die bereits erwähnte Burg, auf dem Bollwerk und die Wallburg Ambrock. Ferner der Ortsname Hunsdieck (Tingplatz des Huno.) und die Priolinde in Priorei. So muss also davon ausgegangen werden, daß eben jenes edle germanische Geschlecht und einige germanische Bauern, die auf den Höhen um Dahl waren, heute die Begründer des Dorfes Dahl waren. Heute noch liegen ja die meisten Bauernhöfe inmitten dichter Waldungen auf den Höhen um Dahl. Die Straßen, Lüdenscheid Hagen und Breckerfeld – Hagen führen ebenfalls über die Höhen. Im Volmetal wurde erst viel später im Jahre 1844. eine Straße gebaut. Es war die letzte der großen Chauseen, die in Westfalen gebaut wurden. Bis dahin musste bei einer Fahrt nach Hagen 10. Km. die Volme siebenmal durchschritten werden. Brücken waren zu jener Zeit noch selten, und dort wo eine war, wurde sie bei Hochwasser fortgerissen und nicht mehr erneuert. Man war noch genügsam und fand sich mit dem Unvermeidlichem ab. Als eines der ältesten Häuser in der Gemeinde Dahl ist ohne Zweifel das Haus Dahl anzusehen. Die Anfänge dieses Hauses sind von Sagen umwoben und im Dunkel gehüllt. Erwiesen dagegen ist, dass es der Grafschaft Mark gehörte. Es hatte einen eigenen Gerichtszwang und die Herren von Dahl waren Patrone der Gemeinde, sie setzten Pastor und Lehrer ein. Noch im Jahre 1651. gehörten den Herren des Hauses alle Häuser der Gemeinde. Hinzu kamen noch eine Kornmühle, Stahl und Eisenhämmer, so wie Wiesen und Wälder. Wurde Jahrmarkt gehalten , mussten sich alle einfinden, Krämer, Bäcker und Schmiede und an das Haus Dahl Standgeld bezahlen. Es dürfte ohne Zweifel sein, dass die von Dael, die ersten Besitzer dieses Hauses waren. Später kam es durch Heirat an die „ von Kalle“ Im September des Jahres 1729. wurde das alte Haus durch eine Feuersbrunst übel zugerichtet, aber schon bald wieder aufgebaut. 1820. gehörten zum Rittergut  Dahl, ein Rohstahlhammer, ein Reckhammer, eine Kornmühle, Zubehörungen zur Mühle. Schleifkotten Hämmer und 28. Kotten. Ferner, Äcker, Gärten, Weiden, Holzungen das Rohstahlfeuer in Priorei, das Patronatsrecht über die Pfarr – Schullehrer und Küsterstelle zu Dahl, die Fischerreirechte in der Volme und Sonstige Zubehörungen. 1820. lässt der damalige Besitzer Friedrich Gerstein, die alte Wasserburg, die teilweise verfallen ist, abreißen und erbaut an ihrer Stelle das jetzt noch stehende Haus. Mit dem Schutt wurden die Wassergräben. (Gräfte) zugeschüttet. Die Grundmauern der alten Burg blieben erhalten, und bilden noch heute Teile des Hauses. In jenen Jahren arbeitete Friedrich Gerstein schon an den Plänen für den Bau der Volmestraße. Sie wurde aber erst mehrere Jahre nach seinem Tode, im Jahre 1844. in Angriff genommen. In den Jahren von 1871 – 1885. erfolgte dann auch der Bau der Volmetalbahn. Hagen – Brügge. Erheblich verkleinert wurde der Grundbesitz des Hauses Dahl im Jahre 1902. durch den Verkauf von Rummenohl, Bergerhof, Hundsdiek und der Grundstücke am Bollwerk. So wie wertvolle industrielle Anlagen. Heute befindet sich Haus Dahl im Besitz der Spar und Darlehnskasse. Wie so vieles in Dahl liegt auch das Baujahr der evangelischen Kirche gänzlich im Dunkeln. So ist aus der Zeit , vor der Reformation nur sehr wenig über die Geschichte dieses alten Gotteshauses niedergeschrieben. In einer Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1273. wird zum ersten Mal ein Pastor „in Dahle.“ erwähnt. Weiter ist aus den Jahren 1310 – 1316. das Gehalt des Dahler Pfarrers bekannt. Es betrug jährlich drei Mark, von denen der Pfarrer noch einen Zehnten an den Kölner Erzbischof abzuliefern hatte. Mithin hatte Dahl zu jener Zeit, also vor rund 700  Jahren, schon eine Kirche, weil früher am 21. September das Kirchweihfest .- später Jahrmarkt gehalten wurde und weil dieser Tag Gedächnistag des Evangelischen Matthäus ist, nimmt man an, daß die Dahler Kirche in älterer Zeit dem Evangelisten Matthäus geweiht war. Am 11. Juli, 1377. stiftete der damalige Patron, für einen dem Pfarrer beigegebenen Vikar den Katharinenaltar. Von dieser Zeit an wird auch von der Katharinenvikarie gesprochen. Wurde mit der Stiftung des Altares die Kirche gleichzeitig der hl. Katharina geweiht ? . Niemand weiß bis heute zu sagen ob das stimmt. Eine Antwort auf diese Frage geben vielleicht schon in den nächsten Monaten die beiden mit Fresken bemalten Wände im Seitenschiff der Kirche, die zur Zeit restauriert werden. Bei den im Jahre 1963. erfolgten gründlichen Renovierungsarbeiten, wurden einige Zentimeter unter dem Boden der Kirche liegend, wertvolle Grabsteine gefunden, aber durch Reste früherer Fundamente waren festzustellen, doch reichten diese nicht aus, mit Bestimmtheit die frühere Form der Kirche zu bestimmen. Die Lage dieser Fundamente lassen jedoch die Vermutung aufkommen, dass sich gegenüber dem heute noch erhaltenen Seitenschiff, welches bei dem Brand im Jahre 1729 erhalten blieb, ebenfalls ein Seitenschiff befand. Demnach hatte es sich bei der ursprünglichen Kirche um eine Kreuzkirche gehandelt. Vieles, dieser Kirche betreffend wird wohl immer im Dunkel gehüllt bleiben. Die wenigen Urkunden die einmal da waren, sind in der Zeit der Reformationskämpfe verloren gegangen. Eingeführt wurde die Reformation in Dahl von Pfarrer Friedrich Dellbrügger. Dieser Pfarrer Dellbrügger kam 1555. von Lüdenscheid, und war dort Kaplan. Wann die Gemeinde sich unter Dellbrüggers Führung von dem katholischen Glauben abwandte und die evangelische Lehre annahm ist nicht genau festzustellen. Sicher ist aber, dass Dellbrügger gegen den Willen seines Patrons, des Herrn von Kalle, bald nach dem Jahre 1570. in der Kirche beim Gottesdienst lutherische Lieder singen ließ. Rund fünfzig Jahre nach dem Anschlagen der 95. Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg durch den ehemaligen Augustinermönch Martin Luther, hatte die Reformation auch in Dahl ihren Anfang genommen. Johann Piepenstock in Halver soll der erste Pfarrer gewesen sein, der sich in Westfalen der lutherischen Lehre zugewandt hat. Er und viele nach ihm, haben jedoch zunächst noch manche katholische Zeremonie beibehalten. So trugen die lutherischen Pfarrer in der ersten Zeit noch das weiße Chorhemd und sangen lateinische Gebete.

Die Reformation vollzog sich keineswegs überall reibungslos, zumindest nicht in Dahl. Mancher heiße Kampf wurde hier zwischen der Gemeinde und den damaligen Patronen ausgetragen. Erst im Jahre 1581 konnte Dellbrügger, nachdem er neun Jahre von Dahl verbannt war, in die Gemeinde zurückgerufen, endlich die Reformation durchführen.

Dellbrügger starb am 10. März des Jahres 1615. Sein Grabstein der heute an der Außenwand der Kirche angebracht ist, trägt die Inschrift

„ Anno D. 10. Martii pist tribulationes Dominus friedericus Delbrügger Reformator et. Pastor Ecelesiae in Dael. Pie abdamivit, – Im Jahre 1615. am 10. März ist nach Trübsalen Herr Friedrich Delbrügger Reformator und Pastor in Dahl fromm entschlafen.

Seit 1600. in den Anfängen schon 1575. war Dahl also evangelische Kirchengemeinde.

Der dreißigjährige Krieg 1816 – 48. bestimmt durch die religionspolitischen Gegensätze der protestantischen Union und der katholischen Liga, brachte großes Leid über die Gemeinde. Was in zäher, jahrelanger Arbeit mühevoll dem Boden abgerungen und aufgebaut war, sollte nun einer bisher ungeahnten und sinnlosen Vernichtung anheim fallen. Mord, Seuchen und Hunger schritten wie Würgeengel durch das Land. Brandschatzung und Raub vernichtete Haus und Hof. Unermesslich ist das Leid, das der Krieg über die Gemeinde bringt. Einst blühende Bauernhöfe werden verwüstet, die Äcker von Buschwerk und Gestrüpp überwuchert. Kaum ein Haus der Gemeinde bleibt von dieser Verwüstung verschont. Die Pest, das Schwert und der Hunger fordern ihre Opfer, mindestens zweidrittel der Bevölkerung lassen in diesen Greueln ihr Leben. Ende des Krieges (1646.) erscheinen noch einmal die Schweden und bringen von Neuen Verwüstung. Mord und Leid, Plünderer ziehen von Hof zu Hof, sie holen den letzten Sparpfennig und das letzte Stück Vieh aus dem Stall. Sie hinterlassen eine gequälte, in Not und Armut geratene Gemeinde.

Bei Ende des Krieges lastet eine ungeheure Schuldenlast auf der Gemeinde.

Die Besitzerin der einst reichen Rittergutes Dahl, Sybilla Margaretha Kalle, Witwe Torck, kann dem Besitz nicht halten und ist gezwungen denselben am 27. Februar 1651. mit aller Gerechtigkeit und Zubehör an Caspar Diffhausen zu verkaufen. Aber trotz aller überstandener Not und Drangsal, erholt sich die Gemeinde wieder. Der Aufbau vollzieht sich zwar recht langsam, die Zerstörungen waren eben zu groß, aber es geht aufwärts. Bald sind die Ländereien wieder in Ordnung gebracht, es steht wieder Vieh in den Ställen.

Im September 1729. bricht in Haus Dahl eine Feuersbrunst aus, bei der dieses Haus zum großen Teil vernichtet wird. Das Feuer greift auch auf die Kirche und mehrere Häuser des Dorfes über. Die Kirche wird bis auf zwei Wände des heutigen Seitenschiffes und die Sakristei völlig vernichtet. Schon ein Jahr später begann man mit dem Wiederaufbau. Die Leitung lag bei Pastor Christoph Drude, der sich große Verdienste um den Wiederaufbau der Kirche machte. Der Aufbau des Gotteshauses machte , Dank zahlreicher Spenden und Geschenke, rasche Fortschritte, so dass schon ein Jahr später eine Glocke die Gläubigen zum Gottesdienst rufen konnten.

In den Jahren bestand das Dorf Dahl nur aus wenigen zumeist Stroh gedeckten Häusern. Die größere Anzahl der Häuser und Höfe lag ja auf den Höhen rings um Dahl. Die Bürger und Bauern hatten es wieder zu einem gewissen Wohlstand gebracht, als erneuert Elend über sie hereinbrach. Der siebenjährige Krieg 1756. – 63. brachte erneut Not und Elend über die Gemeinde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte die Mark einen Aufschwung, wie man bisher nie erlebt hatte. An dieser großen Aufwärtsentwicklung nahm auch unser kleines Dorf regen Anteil.

Dieser Aufschwung nahm mit dem Straßenbau seinen Anfang. Die ersten Chausseen, die abgesehen von der festen Straße von Berlin nach Potsdam , in Preußen in den Jahren 1738 – 1749. gebaut wurden, lagen im Westen. Es handelte sich um zwei Straßen. Einmal die Chaussee, die von Siegen kommend, über Kierspe – Halver – Breckerfeld – Hagen – Herdecke – Bochum nach Steele führte. Die zweite Straße kam von Köln, sie führte über Lennep – Beyenburg – Schwelm – Gevelsberg – Hagen und weiter über Herdecke nach Unna. Diese beiden Straßen waren insofern von besonderer Bedeutung, da sich der gesamte spätere Straßenbau nach diesen beiden Straßen ausrichtete. Sie waren somit Voraussetzung für die ganze nachfolgende Verkehrsentwicklung. Bald erkannte man, auch im Volmetal, wie wichtig solche Straßen waren. Auf einer festen Straße ließen sich alle Güter viel leichter und schneller transportieren. Das bedeutet Zeit und Geldgewinn, könnte man die ansässige Industrie erweitern, sicher würden sich dann auch noch mehr Unternehmer hier ansiedeln. So waren damals die Überlegungen einiger verantwortungsbewußter Bürger an der Volme. Einer davon war Friedrich Gerstein aus Dahl, der schon bald dranging ,Pläne für den Bau einer Volmestraße auszuarbeiten. Aber es sollten noch viele Jahre vergehen, bis das Volmetal die ersehnte Straße erhielt. Inzwischen , wir schreiben das Jahr 1824. kommt die Osemund Industrie gänzlich zum Erliegen. Ihr erwuchs die tödliche Konkurrenz aus dem Puddelverfahren. Dieses Puddelverfahren, das sogenannte Flammofen-frischen war schon Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt worden und kam 1824. von England nach Deutschland. Mit diesem neuen Verfahren konnte man den Stahl billiger und in größeren Mengen herstellen. Die Schmiede an der Volme mussten sich, wollten sie im Geschäft bleiben auf dieses Verfahren umstellen. Erst neun Jahre später ging es in der Industrie wieder voran und nicht ohne Grund. In der Neujahrsnacht 1833 – 34. wurden die Schlagbäume hinweggeräumt. Hiermit war in deutschen Landen die Zollfreiheit gegeben. Dem  wirtschaftlichen Aufschwung stand nichts mehr im Wege. So brauchten zum Beispiel die Märker für die Erze aus dem Siegerland keinen Zoll mehr zu zahlen . Die Herstellungskosten waren niedriger und somit konnte billiger verkauft werden. Die Dahler Schmiede lieferten wieder in alle Welt. Die hier von Hand geschmiedeten Schüppen, Hacken und sonstigen Werkzeuge waren ein begehrter Export Artikel, und sind bis zum heutigen Tage geblieben. Das Jahr 1848. brachte für Dahl einen weiteren Fortschritt. Im Laufe der Jahre war die Bevölkerungszahl langsam aber beständig gestiegen. Weitere Industriebetriebe, zumeist Schmieden hatten sich hier, die Wasserkraft der Volme ausnützend niedergelassen. Eine feste Brücke über die Volme wurde dringend erforderlich. So ging man denn im Jahre 1840. an die Verwirklichung dieses Vorhabens. Bis zum heutigen Tage fügt sich diese schöne Brücke harmonisch in das Bild des Dorfes. Sie erfüllt immer noch ihren Zweck, und lässt auch die schwersten Lastzüge über sich hinwegrollen. Doch reicht sie für den heutigen Verkehr bei weiten nicht mehr aus. Im gleichen Jahr wurde die Frage nach einer Straße durch das Volmetal wieder aufgegriffen und diskutiert. Freiherr von Vinke, zu dessen Lebenswerk der Straßenbau in Westfalen gehörte,

nahm erneut den Kampf mit seinen Widersachern auf. Die Fabrikherrn aus dem Volmetal stellten sich restlos auf seine Seite, und wurden Mitstreiter. Man legte erneut dar, wie notwendig der Bau einer Volmestraße sei, man führte aus ,es sei bei dem Anwachsen der Bevölkerung und den ständig zunehmenden Industriebetrieben im Volmetal nicht länger zu verantworten, dass auf den furchtbaren Wegen und Klippen, bei den vielen Wasserdurchfahrten und dem Eise immer wieder Menschen und Tiere zu Schaden kämen. Eine Straße durch das Volmetal, so führte man weiter aus, gäbe zudem die Möglichkeit, hier größere Werke anzulegen. Auch den vielen Betrieben, welche an dem kleinen Flüßchen und Bächen liegen , welche in die Volme münden, würden durch eine Straße neue Möglichkeiten erschlossen. Der Kampf zwischen den Befürwortern und den Gegnern nahm immer heftigere Formen an. Die Gegner taten alles , um den Bau zu hintertreiben. Für wertloses Land verlangten sie bedeutende Summen, andere weigerten sich ihren Besitz für den Straßenbau abzugeben. Jetzt aber war die Straße zu einer Notwendigkeit geworden, die nicht mehr zu übersehen war. So wurde dann im Jahre 1844. endlich mit dem Bau der Straße durch das Volmetal begonnen. Viele viele Jahre zu spät. Es war dann auch die letzte der großen Chausseen die in Westfalen gebaut wurde. Freiherr von Vinke und Friedrich Gerstein, die sich beide so sehr für diese Straße eingesetzt hatten, waren inzwischen verschieden und konnten den Bau dieser Straße nicht mehr miterleben. Es kam das Jahr 1848. und dieses Jahr brachte etwas ganz neues in der Geschichte noch nicht dagewesenes. Von Frankreich ausgehend, verbreitete sich die Revolution über ganz Europa, und rief heftige Erschütterungen hervor. Aber konservativ, wie die überwiegende Mehrzahl der Arbeiter des Süderlandes war blieb hier und so auch in Dahl alles ruhig. Ein großer Teil der Bevölkerung stand zwar ohne Arbeit da, doch dachten sie nicht daran, nur weil sie arbeitslos waren, wozu weder sie noch ihre Arbeitgeber etwas konnten, nun selbst zu Revolutionären zu werden. So ging es denn auch bald nach dem Abklingen der Revolution wieder aufwärts. Aber für die Industrie bahnte sich schon wieder neues an. 1852. hielt die Dampfmaschine Einzug in unserem Raum. Mit ihrer Hilfe konnten sich die inzwischen Betriebe an der Volme von dem Wasser unabhängig machen. Wie oft geschah es, dass in einem besonders heißen Sommer kein Wasser mehr da war, oder im strengen Winter das Wasser gefror dann mussten die Werke an der Volme Zwangspausen machen und die brachten erhebliche finanzielle Verluste. Da hätte sich die kostspielige Anschaffung einer Dampfmaschine schon gelohnt, doch die meisten Fabrikanten standen diesem neuen Ungeheuer noch misstrauisch gegenüber. So kam es in den Jahren 1857 – 58. für die gesamte Industrie unseres Raumes zu einer schweren Krise. Von Mai bis in den tiefen Winter hinein war kein Tropfen Regen gefallen. Im Januar und Februar folgte so starker Frost, dass der Wassermangel noch größer wurde. Hierdurch lagen selbst im Siegerlande noch im September des Jahres 1858. die Hochöfen still. sie hatten bedingt durch den Stillstand der an die Wasserkraft gebundene Industrie, keinen Absatz. So hatte auch für die Betriebe im Volmetal der Wassermangel böse Folgen. Hier waren vor allem die Kleinbetriebe betroffen. Für sie war die Anschaffung einer Dampfmaschine mit zu großen finanziellen Opfern verbunden, daher war eine solche Anschaffung bisher unterblieben. Nun aber war der Verlust noch größer und man brauchte lange Zeit, um sich von diesem unvorhergesehenen Verlust zu erholen.

Das Jahr 1858. brachte noch eine Neueinführung die für alle von Bedeutung war. Das am 17. Mai erlassene Gesetz, über die neuen Gewichtseinheiten wurden wirksam. Das Pfund mit 500. Gramm oder ½ Kilogramm, wurde von nun an die Einheit des preußischen Gewichtes. Nun gab es keinen Scheffel, kein Lot und kein Quentchen oder ähnlich ungenaue Gewichte mehr. Eine Neuerung, die nicht nur Vereinfachung, sondern einen echten Fortschritt brachte.

Ein Dorf im Umbruch der Zeiten.

Nachdem man im Jahre 1844. endlich erreicht hatte, eine Straße durch das Volmetal zu bauen, wurden in den 1851. er Jahren Stimmen laut, neben der Straße eine Eisenbahnlinie durch das Volmetal zu bauen. Die immer noch größer werdende Industrie im Volmetal und den angrenzenden Tälern, mit einem Export, der in alle Welt ging , schien diese Forderung auch hinreichend zu rechtfertigen. Einer der größten Vorkämpfer für den Bau der Eisenbahn durch das Volmetal war Friedrich Harkort. Zu ihm gesellte sich der Fabrikant Carl Elbers aus Hagen. Doch beider Bemühungen blieben jahrelang ohne Erfolg. Erst im Jahre 1868. gelangten die ersten Vorstöße. Das Handelsministerium hielt einen Betrag von 500 000. Talern für die Volmebahn bereit. In einer Versammlung wurde beschlossen die Gemeinde zu bewegen, Grund und Boden sicherzustellen. Außerdem machte die Regierung den Bau davon abhängig, dass die Gemeinden die Gelder für die Grundentschädigungen garantieren würden. Doch diese Forderung brachte einzelne Gemeinden in Harnisch. In anderen Gemeinden akzeptierte man die Forderung der Regierung und übernahm die Kosten der Flurentschädigung. Es gab sogar Gemeinden, die für die nicht zahlungswilligen Gemeinden einsprangen und deren Kosten mit übernahmen, so schien es im Februar 1869, dass alle Schwierigkeiten überwunden seien .Die Frage der Kosten war gesichert. Damit war die Voraussetzung für die staatliche Genehmigung geschaffen. Der Bau konnte beginnen,1870. war jedoch wieder alles in Frage gestellt. Die ersten Kriegsgerüchte tauchten auf. Die Aktien der Bergisch – Märkischen Eisenbahngesellschaft fielen von einem zum anderen Tage. Mit den fallenden Aktien fielen auch alle Aussichten auf den Bau der Volmebahn. War doch die Bergisch – Märkische Eisenbahngesellschaft für den  Ausbau der Volmestrecke verantwortlich. Die Kriegserklärung erfolgte. Sollte der Traum von der Volmetalbahn schon zu Ende sein ? Trotz Krieg und Not ging man mutig ans Werk. 1871. wurde nach Jahren harten Ringens mit dem Bau begonnen. Zunächst sollte der Unterbau bis Brügge geschaffen werden. Zu Beginn der Arbeiten kam man so schnell vorwärts, dass einige prophezeiten, die Strecke bis Ende des Jahres 1872. bis Brügge fertiggestellt zu haben. Aber es gab immer mehr und neue Schwierigkeiten. In erster Linie waren es die vielen Tunnelbauten die das Vorwärtskommen erschwerten. Der Termin der Fertigstellung wurde immer wieder hinausgeschoben Am 6. September 1874. war es endlich so weit. Freie Fahrt für die Strecke Hagen – Brügge. Durch kühne Kurven, mal entlang der Straße mal neben der Volme schlängelte sich die Bahn durch eines der schönsten Täler der Heimat. Die Postkutschen mussten sich schnell den neuen Verhältnissen anpassen, und neue Fahrpläne einrichten. Die vierspännigen Pferdeomnibusse besorgten nun den Zubringerdienst aus den Nebentälern zu den Bahnhöfen im Volmetal. Jetzt hieß es unbedingt pünktlich sein, denn die Bahn hatte einen festen Fahrplan und wartete nicht. Oft aber hatten die Postkutschen wegen der schlechten Straßen Schwierigkeiten den Fahrplan auch nur einigermaßen einzuhalten. Nach wiederholten Eingaben an die Regierung wurde die Volmestraße instandgesetzt. So waren schon zu Großvaters Zeiten Straße und Schiene voneinander abhängig.

Heute verkehren auf der Strecke Hagen – Brügge täglich zwölf Personenpaare und statt der Postkutschen fahren zahlreiche moderne Omnibusse. Gerade noch rechtzeitig war die Bahn fertig geworden, denn nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich erlebte die Industrie im Volmetal ihre Blütezeit. Aber schon 1874 brach dieser Aufschwung jäh zusammen. Tausende wurden Arbeitslos. So mussten auch in Dahl einige Schmieden stillgelegt werden. Andere arbeiteten nur wenige Stunden am Tage. Überall zeichnete sich dieser katastrophale Arbeitsrückgang ab. Der 5. April des Jahres 1874 war der schwärzeste Tag an der Hagener Eisenbörse. Die Eisenpreise fielen auf um 50 %. Wo sollte das noch hinführen ?.Alles nur Erdenkliche wurde unternommen um diese Krise zu begegnen. So wurde am 1. Juli 1875 die Aufhebung der Eisenzölle beschlossen. Aber noch standen im Siegerlande von 26. Hochöfen 19. still. Dieser Zustand wirkte sich gerade für die Bevölkerung des Volmetales katastrophal aus. In Dahl, wie in vielen anderen Orten , Volme aufwärts war ja nur Eisenindustrie. Ende des Jahres 1878. war die Lage auf dem Arbeitsmarkt, besonders, aber in der Eisenindustrie auf einen Tiefstand gekommen. Die wenigen Fabriken in unserem Raume, die noch einige Arbeiter beschäftigten, konnten diese nicht mehr auslöhnen. Bittere Armut war bei der Bevölkerung an der Volme eingekehrt. Auch das Jahr 1879. brachte keine Besserung der Lage. Wer auf die Hagener – Frühjahrs Eisenbörse hoffte sah, sich bitter enttäuscht sie brachte keine nennenswerten Aufträge. Mutlosigkeit, Armut und Besorgnis herrschten in jedem Haus. Man wagte kaum noch an das Morgen zu denken. Da kam endlich im Dezember die Wende. Es kamen wieder Aufträge nach dem absoluten Stillstand, im Eisengewerbe setzte nun ein wildes Arbeiten ein. Im März konnte die eisenschaffende Industrie im Volmetal keine Aufträge mehr annehmen. Man war auf Monate hinaus voll beschäftigt. Diese Auftragsschwemme entstand durch umfangreiche amerikanische Aufträge. Aber auch Russland brachte gerade der Breitwaren – Industrie an der Volme große Aufträge an Schaufeln und Schippen.

Alle Not der bedrängten Bevölkerung hatte ein Ende, es gab wieder Arbeit in Hülle und Fülle, es wurde wieder verdient und trotz des Aufblühens der Industrie blieben die Preise stabil. 1890. bahnt sich für die Bewohner  Dahls ein besonderes Ereignis an. Schon am Vorabend des 1. September prahlt das Dorf im Fahnen und Girlandenschmuck. Es muss schon etwas besonderes bevorstehen, das sieht man sogleich, denn so aufgeputzt war das Dorf noch nie. In den Morgenstunden des 1. September ist es dann endlich so weit. Auf einer Anhöhe, rechts der Volme steht die festlich gekleidete Bevölkerung von Dahl und viele Gäste aus nah und fern. In einer würdigen Feierstunde wird eine Büste, Kaiser Friedrich 3. festlich enthüllt Für die damals noch so kleine Gemeinde, war die Errichtung des Denkmals eine große Leistung. Die Kosten, des Denkmals betrugen immerhin 7600. Mark und waren durch freiwillige Spenden aufgebracht worden. Die Büste war von dem bekannten Berliner Bildhauer Professor Karl Begas ausgeführt worden. Flankiert wurde das Denkmal in Dahl von zwei Kanonen. Auf der Rückseite des Sockels liest man noch den Satz, der wohl der Krönungsrede entnommen wurde.

Unbekümmert um den Glanz ruhmbringender Großtaten werde ich zufrieden sein, wenn dereinst von meiner Regierung gesagt werden kann, sie sei meinem Volke wohltätig und meinem Lande nützlich gewesen.

Friedrich 3.aus dem Geschlecht der Hohenzollern. lebte von 1831. – 1888. 1888 wurde er gekrönt seine Regierungszeit wehrte nur 90. Tage, denn schon am 15. Juni des gleichen Jahres starb der Kaiser. Gegen Ende des letzten Krieges wurde die Büste mit den zum Denkmal gehörenden Kanonen zum Zwecke des Einschmelzens entfernt. Tagelang lag die Büste und die Kanonenrohre neben dem alten Feuerwehrturm, am Hengstenbergweg , bis sie über Nacht verschwunden waren. Ein Dahler Bürger vermutet dass die Büste in einem der alten Kellerräume an der heutigen B 54.eingemauert wurde. So fiel dieses Denkmal, welches nicht nur von einer großen Zeit, sondern auch von der Opferfreudigkeit der damaligen Dorfbewohner zeugte, einer sinnlosen Zerstörung zum Opfer fiel . Im Jahre 1900, bot das Dorf einen ganz anderen Anblick. Die Dorfstraße war nun auch nach der Volmeseite hingebaut. In der Lehmkuhle waren ebenfalls weitere Häuser errichtet worden, auch hatten sich neue Industriegebiete in Dahl niedergelassen. Überall im Dorf spürte man, es ging aufwärts 1902, begannen die Arbeiten zur Lungenheilstätte auf der Höhe zwischen Ambrock und Dahl. Die Einweihung dieses Hauses fand schon am 22. Oktober des darauffolgenden Jahres statt. In den immer noch verhältnismäßig kleinem Ort war in den vergangenen Jahren wirklich viel geleistet worden. So war man auch im Schulwesen nicht stehen geblieben. Nachdem die Schule in Dahl schon im Jahre 1836, in Priorei und Deipenbrink eine Schule eingerichtet worden war, erhielt sie im Jahre 1894. eine zweite Klasse und zwei Lehrerstelle. Im gleichen Jahr wurde in Dahl eine gewerbliche Fortbildungsschule gegründet. 1895. Gründung der Schule auf Kalthauser Höhe, der 1899. eine Rektoratschule in Dahl folgte. Verglichen zur Einwohnerzahl, verfügte die Gemeinde Dahl damals über mehr Schulraum als heute. Zu den bereits bestehenden Schulen, kamen 1905. noch eine Schule in Hunsdiek und die Verbandsschule in Rummenohl. Am 24. Oktober des Jahres 1909. versammelte sich, die Familie Gerstein und mit ihren vielen Dorfbewohnern auf steiler Höhe oberhalb des Ortes, inmitten eines Buchenwaldes um den von der Familie Gerstein errichteten Wilhelmstein einzuweihen. Dieser Stein, der heute noch von den Dorfbewohnern (einer) saubergehalten und gepflegt wird, trägt eine Sinnvolle Inschrift. 24. Oktober 1909.

Selten dem der ihn pflanzte spendet hochragend der Wald seinen erquickenden Schatten, sondern erst Kindern und Enkeln. Dankbar gedenken wir sein, der treu ihn gepflegt. Lasset uns pflanzen und pflegen wie er für kommende Zeit.

Keiner von denen, die an dieser schlichten Einweihungsfeier teilnahmen und keiner in Deutschland ahnte etwas von dem, was diese kommende Zeit bringen würde. Woher sollten sie auch? Jeder hatte seine Arbeit und  ein gutes Auskommen, was sollte man da an das Morgen denken. Dann kam der 2. August 1914. Die Glocken läuten Sturm ,der Gemeindeausrufer eilte mit seiner Glocke durch den Ort und über die Höhen. Er verkündete was zunächst niemand glauben wollte Krieg – Mobilmachung. Die Ermordung des Österr. Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo am 28.6.1914. wurde zum Anlass genommen, einen Weltbrand zu entfachen. Bereits am 3.8. drangen deutsche Truppen ins damals neutrale Belgien ein. Der Begeisterungstaumel unter dem größten Teil der Bevölkerung war groß, so groß, dass sich selbst kaum Schulentlassene zu den Waffen meldeten. Auch die sonst so zurückhaltenden Dahler hat die Begeisterung gepackt. Viele ziehen mit Freunden den Feldgrauen Rock an und ziehen singend an die Front. Es dauert ja nur ein paar Wochen, schlimmstenfalls ein paar Monate, aber dann sind sie wieder daheim. So denken sie und man hat es ihnen auch gesagt. Von diesem Krieg bekommen die Dahler Bürger kaum etwas zu spüren. Die Front ist weit und Not kennt man hier nicht, noch nicht. Bald aber treffen die ersten Nachrichten von der Front ein, die ersten Verlustzahlen werden bekannt. Unter den Gefallenen befinden sich Väter und Söhne Dahler Familien. Da erst schlägt die Begeisterung um und macht einer großen Trübsal platz. Fünf Jahre ist es erst her, da lasen wir zum ersten Mal auf dem Wilhelmstein die Worte. Lasset uns pflanzen und pflegen wie er für kommende Zeit. Wie sinnlos wirken diese Worte jetzt da der Krieg tobt. Statt zu pflanzen und zu pflegen wird gemordet und zerstört, geplündert und gebrandschatzt. Zehn Millionen Verluste sind am Ende dieses vierjährigen Wahnsinns zu beklagen. Das Kriegsende beschert uns die Revolution mit all ihren Unruhen und Krawallen, von denen auch Dahl nicht verschont bleibt. Überall machte sich der Mangel an Gebrauchsgütern bemerkbar. So musste Anfang 1915. die Heilstätte Ambrock für gut zwei Monate wegen Kohlenmangels geschlossen

werden. Die überaus starke Zunahme an Tbc. – kranken machte jedoch eine baldige Wiederaufnahme des Kurbetriebes erforderlich. Die politischen Unruhen jener Jahre brachten es jedoch mit sich, daß viele Patienten aus Sorgen um ihre Angehörigen die Kur vorzeitig abbrachen und so trotz steigender Erkrankungsziffern immer wieder viele Betten leer standen.

Deutschland war Republik geworden und 1919. erhielten wir die Weimarer Verfassung. Ihr folgten die Wirren der Inflation. In Dahl erhielten die Arbeiter der Hammerschmiede ihren Lohn in jenen Jahren täglich ausgezahlt. Kam der Schmied nach Hause, lief seine Frau sofort mit dem Geld zum Krämer, denn niemand wusste, ob der Tagelohn am nächsten Tage noch ausreichte um auch nur ein Brötchen zu kaufen. Erst durch die (Außenpolitische) Außenpolitik Stresemanns im Jahre 1923. kam eine zunehmende Festigung und Normalisierung in unsere Wirtschaftslage, die jedoch nicht von Bestand war. Ihr folgte 1925. die große Weltwirtschaftskrise mit einer allgemeinen Arbeitslosigkeit. Auch die Breithämmer in Dahl standen still. Doch wie oft schon erholte sich die Industrie auch diesmal, wenn auch unter großen Opfern, und Verlusten, von dieser schwersten aller bisherigen Krisen.

Lange dauerte der soeben erworbene Frieden nicht, dann kam Hitler. Er versprach uns das tausendjährige Reich und brachte einen sechsjährigen Krieg, an dessen Ende 26. Millionen Verluste zu beklagen waren, und unsere Städte nur noch aus Trümmerhaufen bestanden. Dieser Krieg ging auch an Dahl nicht ohne Spuren zu hinterlassen vorüber, auch hier fielen Bomben und in den letzten Tagen wurde der Ort noch von der eigenen Artillerie beschossen. In dem Eisenbahntunnel zwischen Dahl und Priorei hatte die Flak Stellung bezogen. Hier entbrannten beim Einmarsch der Alliierten heftige Kämpfe, noch einmal werden Menschen getötet und viele Häuser zerstört, oder beschädigt. Was auf diesen Krieg folgte, ist bei den Älteren von uns noch allzu gut in Erinnerung. Hunger, Not, und Elend. Wie oft standen die Dahler an der Bäckerei Stunde um Stunde an, um ein Maisbrot zu ergattern. Nach Hagen gab es vorerst keine Verbindung, wer dort zu tun hatte, musste die 10. Km. zu Fuß laufen.

Es war ein mühsamer und harter Weg, aus diesem Dilemma heraus zu kommen. Die Währungsreform erschien uns da wie ein Wunder. Über Nacht waren die Läden wieder mit Waren aller Art gefüllt. Wir konnten wieder kaufen, was das Herz begehrt, und unser Portemonnaie erlaubte. Vor allem aber konnten wir uns ,Dank großer Lieferungen der Alliierten wieder richtig satt essen.

Aber noch lange litten wir unter diesen totalsten aller bisherigen Kriege. In vielen Familien wurde noch der Vater oder Sohn vermisst, oder lebten noch in Gefangenschaft. Zu Tausenden strömten die Flüchtlinge aus den besetzten Ostgebieten in unser Land. Es gab noch viele Wunden zu heilen und viele Überlegungen anzustellen, wie allen zu helfen sei. Das Dorf Dahl nahm an diesem Geschehen großen Anteil. Auch hier waren Flüchtlinge und Aussiedler unterzubringen. Jeder sollte ein Dach über den Kopf bekommen. Dort wo bislang Kühe weideten entstanden Siedlungen. Immer mehr Häuser wurden gebaut, das Dorf dehnte sich mehr und mehr aus und wurde so zu einer geschlossenen Ortschaft. Es begann ein Hasten und Jagen. Jeder wollte so viel wie möglich von diesem  neuen Wohlstand abbekommen. Die Katholische Gemeinde, die ja seit der Reformation kein eigenes Gotteshaus mehr besaß, konnte auf dem Dickerköppchen (heute Kallestraße.) eine kleine moderne Kirche errichten .Und die Evangelische Kirchengemeinde begann eine noch nie da gewesene Bautätigkeit.

Im Juni 1962. wurde die Vergangenheit Dahls noch einmal wachgerufen. Bei den Renovierungsarbeiten in der über 700. Jahre alten Dorfkirche wurden nur wenige Zentimeter unter dem Boden liegend alte Grabsteine gefunden. Es sind Grabsteine aus einer längst vergessenen Zeit, die aber wohlbekannte Namen haben. Der schönste und völlig unversehrte Stein stammt aus dem Jahre 1599. und schmückte einst das Grab der Patronin der Gemeinde. Der Stein ist in drei Felder unterteilt in jedem dieser Felder sind zwei Wappen eingearbeitet um diese Felder verläuft ein Schriftband mit der Aufschrift . Anno 1599.

AUF PASCHEDAG IST DIE EDELE EHR TUGENDREICHE JOST GEBARN TORCK FRAUW VON KALL IN DEN HEREN ENTSLAFEN“
Im Inneren hat dieser Stein nun wieder einen würdigen Standplatz gefunden. Am 23. Dezember konnte die wiederhergerichtete Kirche in einem Festgottesdienst ihrer Bestimmung übergeben werden. Ein wichtiger Bauabschnitt in der ev. Kirchengemeinde hatte ihren Abschluss hiermit gefunden. Die Weiterentwicklung des Dorfes ist aber noch lange nicht abzusehen. Viele große Pläne harren noch ihrer Ausführung. Ein modernes Altenwohnheim wird in naher Zukunft entstehen, die Fachklinik Ambrock steht vor umfangreichen Neubauten und Vergrößerungen. Auf dem Dickerköppchen werden noch weitere Siedlungen gebaut. Noch in diesem Jahr wird mit den Erweiterungsarbeiten durch den Ort führende Straße, die dem immer stärker werdenden Verkehr lange nicht mehr gewachsen ist, begonnen werden.

So wurde aus dem einst verträumten Dorf ein Ort mit einer ständig anwachsenden Bevölkerung und einer sich ständig vergrößernden Industrie und gewann immer mehr an Bedeutung.

Ein Kommentar

  1. Kunstvoll gestaltete Grabsteine finden sich immer in Kirchen. In der Niederlausitz werden regelmäßig Dörfer und Kirchen umgesiedelt, um die darunter liegenden Kohleflöze abzubauen. Auch hier finden sich immer wieder interessante Grabsteine. Bei den meisten anderen Kirchen wird eine solche Untersuchung ja eher nicht durchgeführt.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.