„Sprengstoff und Dynamit im Sterbecketal“

Der Sitz der Castroper Sprengstoffwerke befand sich in Dortmund.

Karl Kleine, Werkmeister

Im Jahre 1904 stellten die Castroper Sprengstoffwerke einen Antrag zur Errichtung einer Fabrik, die die Herstellung  von Sprengstoff (untere Fabrik) übernehmen sollte. Diese Fabrik wurde in den Jahren

Angestellte der Sprenstofffabrik

von 1904 bis 1906 auf einem großen Areal in der Wald Einsamkeit des Sterbecke Tals erbaut, teilweise auf damaligem Hülscheider und teilweise auf dem damaligen Dahler Gemeindegebiet. Es sollte denitroglycerinhaltiger Sprengstoff in den Fabrikgebäuden, die für 1 350 000 M gebaut wurden, hergestellt werden. Die tägliche Produktion wurde mit 6. 000 bis 7. 000 kg Sprengstoff angegeben. Die Jahresproduktion sollte 2. 000 t betragen. Das ganze

Elisabeth Kleine

Gelände wurde aus Sicherheitsgründen mit einem 2,25 m hohen Drahtzaun umgeben. Zu dieser Zeit betrug die Zahl der Arbeiter ca. 100. Die Fabrik diente der Herstellung und Verwertung von Sicherheitssprengstoffen und anderen

Dampflok mit Arbeiter und Arbeitswagen.

Sprengstoffen, von Pulvern, der dazu erforderlichen Rohstoffe sowie von Zündrequisiten.Verwendung sollte der größte Teil des produzierten Sprengstoffes zu dieser Zeit im Bergbau finden.Die Fabrik wurde 1907 teilweise und 1908 voll in Betrieb genommen. Erst im Jahre 1908 wurde die vollständige Genehmigung für die Herstellung von Sprengstoff mit mehr als 50 % Ammoniumnitrat sowie einem Nitrokohlenwasserstoff erteilt. Für diese Herstellung des Ammoniumnitratsprengstoffes mussten Änderungsbauten vorgenommen werden:  Keller in Zumischräumen.

Arbeiter in der Sprengstoffabrik.

Im Jahre 1909 wurde die Schmalspurbahn der Fabrik, die vom Rummenohler Bahnhof durch das Sterbecker Tal und dann über das ganze Fabrikgelände führte, auf elektrischen Betrieb umgestellt.

In diesem Jahr wurde auch der Antrag auf Errichtung der oberen Fabrik im Galmecke Tal gestellt. Dieses neue Werk sollte zur Herstellung von trinitroglyceriunhaltigem Sprengstoff dienen. Der größte Teil der Gebäude wurde aus Holz bzw. aus Fachwerk errichtet und man nannte diesen oberen Teil der Fabrik „Dynamit“.

Die untere Fabrik erweiterte man durch eine Leuchtgasanlage. Die tägliche Produktion wurde mit 150 bis 180 m³ Gas angegeben. Ein Gasbehälter wurde mit einer Kapazität von 100 m³ erstellt.

Der Bahnhof im Hintergrund das Labor und die Pferdeställe im Sterbecke Tal.

Das Sprengstoffkapsellager wurde am 18.11.1909 genehmigt. Es sollte in der Höhe der Versuchsfabrik im oberen Teil des Dioltales gebaut werden. Der Bau sollte massiv oder aus Holz sein, das Dach sollte ein Asphaltpappdach sein. Von allen Seiten sollte es mit Erdwällen umgeben werden, dessen Kronen die höchsten Teile des Daches noch um 1 m überragen.

Das dort hergestellte Gas benötigte man für die Schlagwetter Sicherheit der produzierten Sprengstoffe. Im Anschluss daran errichtete man ebenfalls in der unteren Fabrik eine Bleigießerei zur Prüfung der Sprengstoffe, ein Laboratorium mit Versuchsstrecke und eine Sprengsalpeterfabrik.

Direktoreenhaus.

Durch diesen Wall führte ein in Zementbeton ausgeführter Tunnel, neben dessen Eingang sich ein Unterstand befand.

Die Versuchs – Fabrik beinhaltet das Laboratorium, die Schießstrecke, das Versuchssprengstofflager. Es war eine Höchstmenge von 15 kg Sprengstoff angegeben, die in der Versuchsfabrik und dem Laboratorium sein durften.

Der Lokomotivbetrieb musste bei Inbetriebnahme der Sprengsalpeterfabrik durch eine elektrische Lokomotive ersetzt werden, um die Gefahr der Funkenbildung und der damit verbundenen Explosionen zu verhindern.

Beamtenhäuser in der Heedfelder Straße.

In jedem Packraum war es höchstens 4 Personen erlaubt, anwesend zu sein und zu arbeiten. Jeder Packraum war von einem Erdwall umgeben und hatte 2 Türen, die an entgegengesetzten Seiten angeordnet waren.

Jede Tür musste auf einen Walldurchgang enden. Alle Maschinen waren am Rand des Gebäudes aufgebaut, damit für die Arbeiter ein freier Arbeitsplatz bestand. Die Türen öffneten sich nach außen, damit die Arbeiter besser fliehen konnten, wenn sich eine Gefahr anbahnte.

Die Versuchsstrecke war ein schmiedeeiserner Kessel, in dem die Sicherheitsgrenze des Sprengstoffes

Cantinenwirtschaft der Westdeutschen Sprengstoff Gesellschaft.

festgestellt wurde. Die Versuchsstrecke besaß aus Sicherheitsgründen von Abteilung zu Abteilung automatisch schließende Türen.

Wegen Explosions- und Brandgefahr wurde elektrisches Glühlicht mit Hilfe einer Doppelbirne erzeugt. Die Ausschaltvorrichtungen, Sicherungen und Steckkontakte waren an der Außenwand des Gebäudes angebracht. Überall da, wo Sprengsalpeter hergestellt oder gelagert wurde, musste eine Blitzschutzsicherung vorhanden sein.

In jedem Menghaus durften höchstens 2 Arbeiter arbeiten, die Filzschuhe tragen mussten. Vor jedem

Bleischmelze.

Menghaus lagen Fußabtreter, damit kein Schmutz in die Menghäuser hineingetragen wurde. Die Höchstmenge der Menge des Sprengstoffes, die in diesem Raum sein durfte, betrug im Notfall 900 kg, im Ausnahmefall 1. 200 kg.

In den Patronierbuden durften 6 Patronierinnen und 300 kg Sprengstoff sein, sobald die Patronen mit einer Maschine gestopft wurden. Wenn sie allerdings von der Hand gestopft wurden, durften sich 8 Patroniererinen in einer Bude aufhalten und 500 kg Sprengstoff vorhanden sein.

Das erste Unglück passierte am 25.02.1911. Dabei wurden drei Arbeiter getötet.

Dynamithütten im Glameketal.

Die zweite Explosion forderte wieder drei Tote. Es geschah am 08. 07.1914.

Der Kriegseinfluss auf die Sprengstofffabrik wurde deutlich erkennbar.

Viele neue Genehmigungen wurden erteilt und die Fabrik expandierte. Nun produzierte die Fabrik keinen Sprengstoff mehr für den Bergbau wie vor dem Krieg, sondern sie wurde zu einer Munitionsfabrik umgebaut.

Die Dynamit im Glamecketal, dort ist heute der Damm von der B 45

1915 wurde der Sitz der Westfälischen Sprengstofffabrik nach Dortmund verlegt.

1916 wurde die Genehmigung erteilt, dass für die Zeit des Krieges neben Glyzerin auch mit Zucker gestrecktes Glyzerin verwendet werden durfte.

In der oberen Fabrik wurde jetzt die Nitrierung des Nitroglyzerins genehmigt. Wegen der Flüchtigkeit der Nitroglykose wurden neue Sicherheitsauflagen vorgenommen.

E. Lok an der unteren Toreinfahrt und Mädchenheim.

Während der ganzen Kriegszeit arbeiteten ca. 2. 000 Menschen in diesem Betrieb, hauptsächlich waren es Arbeiterinnen.

Am 11.11.1917 wurde der Waffenstillstand zwischen Russland und dem Deutschen Reich beschlossen. Der Waffenstillstand mit den Westmächten wurde erst 1 Jahr später geschlossen. Damit war der erste Weltkrieg zu Ende.

Bei der Sprengstofffabrik wurde 1918 noch ein neuer Lagerschuppen gebaut. Nach Kriegsende fand der Sprengstoff nur noch wenige Abnehmer, und man stellte die Produktion teilweise auf Tinte, Klebstoff und Kohlepapier um.

Badeanstalt und Waschräume.

Am 15.11.1923 wurde eine neue Währung eingeführt, die Rentenmark. Die Inflation wurde dadurch gestoppt, und der Spuk der Geldentwendung hatte ein Ende.

Am 15.2.1928 ereignete sich wieder eine Explosion in einem Menghaus, bei der 3 Männer zu Tode kamen.

Am 25.10.1929 brach die Weltwirtschaftskrise mit dem „schwarzen Freitag“ in New York aus. Ob diese Krise oder das Kriegsende, das ja die Sprengstoffproduktion geringer werden ließ, die Gründe für die Abmeldung des Gewerbebetriebes Rummenohl waren, weiß man nicht.

Das Dach ist mit Splitter von der Explosion überdeckt.

Es ist denkbar, dass beide Gründe zur Schließung des Werkes führten.

Herstellung von Tinte, Klebstoff und Kohlepapier:

Die entsprechende Produktion wurde nach Kriegsende begonnen. Nach Schließung der Fabrik wurde das Patent der Tintenfabrikation sowie das Patent der Klebstofffabrikation an den ehemaligen Werkmeister Klein übergeben, der die Herstellung im eigenen Haus weiterführte.

Das erste Unglück war am 25.2.1911 / 7.1.1914 / 15.2.1928.

Die Tinte hatte den Markennamen „ TREMONIA“. Der Klebstoff „MARKANA“

Lange hatte sich die Reichsbahn geweigert, den Transport der gefährlichen Fertigprodukte zu übernehmen. So war man gezwungen, sie in speziellen Pulverwagen mit gelber Gefahrenflagge selbst in das Stammwerk im Ruhrgebiet zu bringen.

Die Größe des Unternehmens erforderte eine eigene Kleinbahn zwischen dem Fabrikgelände und der Bahnstation Rummenohl. Zunächst wurde die Werksbahn mit Dampf betrieben.

Die elektrische soll eine der ersten in Deutschland gewesen sein.

Hochdruckkesselhaus mit 45 Meter hohen Schornstein.

Normale Eisenbahnwaggons wurden auf Schmalspurböcke geschoben, mit Bremsklötzen festgesetzt und dann mit Lokomotiven oder elektrischen Zugmaschinen zur Sprengstofffabrik gezogen.

Zur Beförderung des Stückgutes benutzte man kleine Schmalspurwagen.

Die Lokomotiven waren mit einem Funkenfang versehen, da z. B. ein Waldbrand in der Nähe des Werkes zur Explosion der ganzen Fabrik hätte führen können.

Knetmaschinen in der Sprengstoff.

Die Transportbahn verlief bis in die obere Fabrik. Die Schienen wurden auf Schotterwegen durch den Wald verlegt. Da die Bahn eine ziemlich hohe Steigung bis hinauf in den Wald überwinden musste, wurden immer wieder Kehren eingebaut. An diesen Stellen wechselte die Lock vom Schieben zum Ziehen und umgekehrt. Außerhalb des Betriebes verliefen die Schienen entlang der Straße bis zum Bahnhof, wo 6 Abstellgleise für das Be- und Entladen vorhanden waren.

In den Jahren vor dem Krieg arbeiteten ca. 100 Männer und einige Frauen in der Fabrik.

Labor.

Das änderte sich schlagartig beim Beginn des 1. Weltkrieges. Die Männer mussten an die Front und die Sprengstoffproduktion wurde erhöht. So kam es, dass hauptsächlich Frauen in dem Betrieb arbeiteten und die Anzahl der Beschäftigten stieg.

Auswärtige Arbeiter werden in Baracken untergebracht und in Kantinen verpflegt.

Für die höher gestellten Arbeiter und leitenden Angestellten wurden

Briefkopf Castroper Sicherheitssprengstoff Aktiengesellschaft Dortmund.

Häuser zwischen der Ortschaft Rummenohl und der Sprengstofffabrik an der heutigen Heedfelder Straße gebaut. Sie waren weiter von der Fabrik entfernt als die Arbeiterhäuser.

Es waren Einfamilienhäuser mit einem großen Garten.

Gasanstalt im Hintergrund das Labor.

Mit dem Bau der Sprengstofffabrik kamen auch die ersten Katholiken in das bis dahin protestantische Rummenohl.

Es wurde 1914 die kath. Kirche gebaut und die Sprengstofffabrik beteiligte sich an den Baukosten und unterstützte die Bauarbeiten durch Mithilfe, z. B. beim Außenputz.

1922 hatte man kein Geld mehr, um den Bau der Pfarrkirche Finanziell zu unterstützen.

Die Fabrikeisenbahn machte einen großen Eindruck auf die Bevölkerung. Den ganzen Tag beförderte

Menghaus

sie den Sprengstoff zum Bahnhof und die Rohstoffe in die Fabrik. Doch zu einer bestimmten Zeit, ca. um 11.30 Uhr nahm die Bahn die Henkelmänner der am Ort wohnenden Arbeiter mit, sie wurden entweder von den Angehörigen am Bahnhof abgegeben oder an bestimmten Stellen der Bahnstrecke abgestellt.

Man erzählt auch heute noch lustige Geschichten hiervon, unter anderem die von einem Mann, der die schlechte Angewohnheit hatte, die Essgeschirre seiner Kameraden nach ihrem Inhalt zu untersuchen. Deshalb riefen ihm die Kinder des Dorfes nach: „Paul Klaas, der Henkelmannkieker mit der Pock `auf der Nas`!“

Ältere Rummenohler können sich daran erinnern, dass beim Arbeitsantritt am Morgen die Züge aus

Sprengsalpeter Fabrik.

Hagen und aus Brügge gleichzeitig kamen. Der Bahnsteig soll dann schwarz von Menschen gewesen sein. Zwei Bahnsteigsperren mussten geöffnet werden, damit alle Arbeiter zügig zur Werksbahn gehen konnten die sie dann weiter zur Sprengstofffabrik brachte.

Bei jeder Explosion hing eine große gelbe Rauchwolke über dem ganzen Tal. Alle Anwohner des Dorfes hatten vorher schon die gewaltige Detonation der Explosion wahrgenommen. Sie war so stark, dass in der damaligen Verbandsschule Rummenohl die Fensterscheiben zerbrachen. Die Verbandsschule lag ca. 1 km Luftlinie

Schießstrecke.

hinter einem Berg, der das Dorf von der Fabrik trennte, aber die Detonation hatte selbst da noch eine gewaltige Stärke.

1929 wurde die Produktion gestoppt, das Gelände wurde zur Verpachtung freigegeben. Wahrscheinlich produzierte man nur noch Tinte, Kohlepapier und Klebstoff.

1932 wurde das Werk dann endgültig geschlossen. Die Dynamit AG meldete den Gewerbebetrieb ab, und es wurde ein Antrag auf Abbruch der Fabrik Rummenohl gestellt.

Die finanziellen Probleme der Firma kamen auch in dem Brief an die Kath. Kirche Rummenohl vom 23. März 1933 zum Ausdruck.

Retortenofen zur Gasgewinnung.

In diesem Brief machte man darauf aufmerksam, dass man kein Geld hatte, die vollen Ansiedlungsgebühren zu bezahlen.

Mit der Schließung der Sprengstofffabrik wurden auch viele Arbeiter Arbeitslos.

Pulverwagen mit gelber Flagge vor Prinz im Werth.

Die Dynamit Aktiengesellschaft trennte sich 1937 von ihrem Besitz (Firmengelände mit Gebäuden, Beamten und Arbeiterhäuser) Durch eine Versteigerung, die im „Hotel Dresel“ , Rummenohl, stattfand. Man erzählt heute noch, dass diese Versteigerung nur wenige Minuten dauerte, weil die Firma Kuhbier & Sohn ein so hohes Angebot abgab, dass niemand mitbieten konnte. So war der Besitz der Firma Kuhbier im Handumdrehen um einen großen Grund und

Hausbesitz gewachsen.

Patronenhütten im Sterbecke Tal.

Tintenflaschen Tremonia..


Katholische Kirche Rummenohl.

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