Urkunde zum Denkmal vor der Dahler Kirche

Die nachstehenden Zeilen und die beigefügten Anlagen sollen festhalten, wann und warum dieses Denkmal errichtet wurde und wer die an der Errichtung beteiligten Personen waren, denn es mag sein, dass die Zeit das Mal selbst zerstört und nur durch diese Unterlagen seine Geschichte festgehalten ist. Der Wunsch, nach dem zweiten Weltkriege ein Gedenkmal für ihre Toten zu errichten, hat die Einwohner der Gemeinde Dahl schon seit langer Zeit beschäftigt. Der letzte Krieg hat auch unter den Einwohnern der Gemeinde viele Opfer gefordert. Die Zahl der im Kriege gebliebenen Soldaten, der Gefallenen und Vermißssten, wird erhöht durch die Toten des Bombenkrieges und der Flüchtlingsstrecke, deren Angehörige später in der Gemeinde Dahl eine neue Heimat fanden.

Diese Toten gedenken war der Anlass zur Errichtung dieser Gedenkstätte.

Die Initiative wurde im Jahre 1957 durch das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde, insbesondere durch dessen Vorsitzenden, Pfarrer Dr. Reinhold Koch, ergriffen. Nach anfänglichen Überlegungen über die künstlerische Ausgestaltung wurde die Aufgabe Herrn Professor Ewald Matare’, Lehrer an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf, übertragen. Professor Matare’ besuchte Dahl und den Platz, der ins Auge gefasst worden war. In den darauf folgenden Gesprächen wurde deutlich, dass es sich nicht nur um eine Gedenkstätte, sondern auch zugleich um ein Mahnmahl handeln müsse. Es ist Professor Matare’s eigener Gedanke gewesen, dieses Gedenk – und Mahnmal durch eine Kugel zu versinnbildlichen, die zugleich nicht nur das Schicksal des einzelnen, sondern auch das Schicksal des zweigeteilten Deutschlands und einer geteilten Welt darstellt. Die endgültige künstlerische Ausstaltung und die Zuordnung der Namen der Kugel haben viele Überlegungen des Künstlers und manche Besprechung nach sich gezogen.

Die Namen der auf den Tafeln aufgeführten Toten liegen dieser Urkunde bei.

Professor Matare’ und alle an den Überlegungen Beteiligten haben immer an dem Gedanken festgehalten, daß eine geborstene Kugel die beste Verdeutlichung des Gewollten sei. Die Gemeinde Dahl, die im Zeitpunkt der Errichtung etwas mehr als 5000 Einwohner zählte, hat die finanziellen Lasten im wesentlichen allein getragen. Sie sind durch freiwillige Spenden aufgebracht worden. Der Aufruf ist in der Anlage beigefügt. Das Land Nordrhein / Westfalen hat 5,000,–DM für die Errichtung zur Verfügung gestellt. Die Einwohner des Ortsteil Rummenohl haben sich an der Errichtung des Gedenkmals nicht beteiligen wollen, infolgedessen ist auch ein Teil der Namen der Toten aus diesem Ortsteil nicht auf den Tafeln enthalten. Es ist beabsichtigt, auf dem eigenen Friedhof eine Gedenkstätte zu errichten. Die Einwohner dieses Ortsteils waren nicht davon zu überzeugen, dass die Gemeinde Dahl auch in dieser Frage eine Einheit bilden müsse.

Mit den endgültigen Vorarbeiten zur Aufstellung dieser Mahn und Gedenkstätte hat sich ein „Vorzubereitender Ausschuss“ befasst, der sich aus Vertretern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, der politischen Gemeinde, des Bundes der Vertriebenen Deutschen und des Verbandes der Kriegsbeschädigten zusammensetzte. Die Zusammensetzung dieses „Vorbereiteten Ausschusses“ ist nachstehend festgehalten.

Für die evangelische Kirchengemeinde. Pfarrer Dr. Reinhold Koch.

Für die katholische Kirchengemeinde. Pfarrer Josef Hütte.

Für die politische Gemeinde. Ewald Vollmann.z. Zt. Bürgermeister. Friedrich M. Killing z. Zt. stellvertretender Bürgermeister. Hugo Küpper, Mitglied des Gemeinderates und z. Zt. Amtsbürgermeister des Amtes Breckerfeld. Peter Wurm, Mitglied des Gemeinderates. Für den Bund Vertriebener Deutscher, Ortsvereinigung Dahl, Julius Söding. Für den Verband der Kriegsbeschädigten, Paul Schöneberg.

Innerhalb dieses „Vorbereitenden Ausschusses“ sind alle Einzelheiten der Errichtung des Denkmals und seiner Übergabe an die Gemeinde besprochen worden.

Die Ausführung der Arbeiten lag in Händen des Bauunternehmers Friedrich Kämper, Dahl, was den Unterbau anbetrifft, die Firma Gebr. Franz Schwarz, Düsseldorf, hat nach den Richtlinien von Prof. Matare’ den Guss der Kugel und den Guss der Platten ausgeführt, die die Namen beinhalten.

Bei Firmen gebührt Dank, insbesondere aber der Gießerei Gebr. Franz Schwarz, die unter finanziellen Opfern bei der Ausführung den Gedanken des Künstlers folgte.

Das Gedenkmal und seine Umgebung nimmt zum Teil den Vorplatz der Kirche, zum Teil das Grundstück in Anspruch, das der Spar – und Darlehenskasse, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung, zu Eigentum gehört. Die Grundstückseigentümer – die evangelische Kirchengemeinde zu Dahl und die Spar – und Darlehenskasse zu Dahl, haben bei der Errichtung die Eigentumsfrage nicht geklärt. Beide waren aber damit einverstanden, dass der ausgewählte Platz, der den Mittelpunkt des Ortsteils Dahl darstellt und der dem Portal der Kirche gegenüberliegt, an deren linker und rechter Seite die Erinnerungstafeln für die Toten des ersten Weltkrieges angebracht sind, in der von Professor Matare’ vorgesehenen Form in Anspruch genommen werden soll.

Der Abbruch des alten, als Försterwohnung und Stallung dienenden, dem Gutshaus

„ Haus Dahl“ vorgelagerten Fachwerkgebäudes, hat die Inanspruchnahme dieses Platzes zur Errichtung des Denkmals erst ermöglicht.

Die an der Errichtung dieser Gedenk – und Mahnstätte Beteiligten Bewohner dieses Tals und Kinder ihrer Zeit haben den Wunsch und die Hoffnung gehabt, dass die Verwirklichung ihrer Vorstellungen sich nicht nur dem Ortsbild anpasst und zugleich ein Kunstwerk eines bedeutenden zeitgenössischen Künstlers bedeutet, sondern dass es gleichzeitig den gewollten Sinngehalt widerspiegelt

Den Toten zum Gedächtnis, und den Lebenden zur Mahnung.

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