Die ev. Kirche in Dahl.

Die ev. Kirche in Dahl.

im Jahre 1729 brannte die alte Kirche zusammen mit Haus Dahl ab. Bei dem Brande blieben nur das jetzige Seitenschiff und die Sakristei unversehrt. Die Rundbogen an den Fenstern des Seitenschiffs bewiesen, dass die Fenster älter sind als die übrigen.

Der dem Neubau der Kirche im Jahre 1730 unter der Leitung des Pastors Drude ausgeführt. Die Baukosten teils auswärts, teils, in der Gemeinde kollektiert, und auch von der Vermittlung der Kirchensitze bestritten. Den beiden Gemeindegliedern Hasenkamp und Schrieber, welche mit der Einsammlung der Kollekte beauftragt wurden, gab das Presbyterium nachstehendes Empfehlungsschreiben mit. Dem geneigten Leser Gnade und Friede mit Gott. Nachdem es den gerechten und heiligen Gott gefallen über unseren Ort am 17. September a. c. gefährliche Feuersbrunst zu verhängen und unter anderem unser Gotteshaus dargestallt einäschern zu lassen, dass nichts als Überbleibsel von den alten Mauern stehen blieben, unsere Mittellose Gemeinde aber unmöglich im Stande ist, aus eigenen Mitteln

    

dasselbe wieder zu erbauen, so werden wir gemüßigt (gezwungen), unsere Zuflucht zu guten Herzen zu nehmen und dieselben um eine milde Beisteuer anzusprechen in Hoffnung, sie werden ein christliches Mitleiden mit uns haben und nach Vermögen uns zu Hülfe kommen und zwar desto ehender (desto ehr) weil

   

vorhabender (beabsichtigter) Bau zur Heilung des Namens Gottes und Vermehrung dessen Reichs abziehet, mit der Ohngezweifelten (unbezweifelten) Versicherung Gott vom Himmel werde solch Ihr Liebeswerk in Gnaden belohnen und mit vielfaltigem, soweit geist = wie leiblichen Segen erstatten. Dannenhero (daher)

Kanzel, Altarbild und der Kronleuchter der heute in Haus Dahl hängt.

haben wir zwei aus unserm Mittel (unserer Mitte), nämlich Jürgen Hasenkamp und Heinrich Johann Schrieber erwehlen (erwählt) und dieselben, damit sie desto mehr glauben bei christlichen Herzen finden, möchten mit diesem Zeugnis der Wahrheit versehen wollen, welche solche Beisteuer zu Behuf ( zum Zweck) der Aufarbeitung unserer Kirche einsammeln sollen. Der Gott, der die Herzen in Händen hat und sie leitet wie die Wasserbäche, gehe von ihnen her und neige diejenigen, dahin sie kommen, zum guten Willen gegen uns, damit wir durch deren Guttätigkeit mögen getröstet werden. Wir wünschen schließlich allen unseren Wohltätern, dass sie Gott, der Allmächtige, vor solchen und allen anderen Unglücksfällen in Gnaden bewahren und vielen Segen an Leib und Seele widerfahren lassen wolle. Und entbieten uns übrigens zu allen christlichen und billigen Gegendiensten. Zur Urkund der Wahrheit haben wir sämtliche Glieder des Consistorii (des Presbyteriums) unserer Kirche zu Dahle, dieses Eigenhändig unterschrieben. So

Das Taufbecken.

geschehen Dahl am 16. Oktober 1729. Es folgen die Namen Johann Christoph Drude, Pastor, Dietrich von Degingk, Patron, Johann zum Ambrock, Kirchenmeister, Jürgen Hasenkamp Kirchmeister, Johann zu Hückinghausen Provisor, Peter Griesenbeck, Provisor, Johann Peter zu Kalthausen, Kirchenwart, Adolf Deipenbrink Kirchenrat. Das Kollektenbuch, in welcher die auswärtigen Geber ihre Gaben verzeichneten ist noch vorhanden, und zeigt bis auf den heutigen Tag, dass damals die Gemeinde Dahl eine ganz erhebliche Kollekte von auswärts zum Kirchenbau erhalten hat. Wenn daher heute bisweilen für fremde arme Gemeinden Kollektiert wird, so möge man daran denken, dass Dahl vor 200 Jahren auch für seinen Kirchenbau gesammelt hat.

Auf der Titelseite des alten Kollektenbuches steht von dem Einsammeln der Kollekte Pastor Drude geschrieben. Verzeichnis der von hohen Gönnern und guten Freunden zu Behufs der wieder Auferbauung unserer Kirche zu Dahle geschenkten Geldes, wie sie eingesammelt sind von mir Johann Christoph Drude zeitlichen Pastore daselbst. Anno 1729.“ Die einzelnen Posten sind von den Geldern teilweise selbst mit eigener Hand eingetragen. Pastor Johann Caspar Möller zu Elsey gibt aus eigener Tasche 2 Taler 30 Silbergroschen. Die Kirchenkasse in Elsey gibt eben soviel, zwei adelige Fräuleins in Elsey jede 1 Taler. Man bedenke, dass 1 Taler damals so viel war, wie heute 20 Mark, oder noch mehr, Aus der Grafschaft Limburg sendet „ ein vornehmer Gönner“ 2 Taler, die hochgeborene verwittibte Gräfin von Limburg 2 Taler, die hochwürdigste Äbtissin des Klosters Elsey 2 Taler. Das hochadelige Stift in Elsey 2 Taler. Es folgen dann viele

Ausschnitt aus der Vermessungskarte vom Landvermesser Johann Peter Hobräck aus dem Jahre 1772.

Geber, die Silbergroschen schenken. Darunter die bekannten Namen. Hengstenberg und Kaltschmidt, Freiherr von Degingk zu Dael. In der hochlöblichen freien Reichs = Stadt Dortmund fanden sich viele Geber. Darunter ein Syndikus, ein Richter, die Schuhmachergilde, die Schmiedegilde, die Krämergilde, Pastor Bethake zu Brechten sendet 7 Taler. Aus Dortmund im ganzen 77 Taler. Es folgte eine Rubrik. Aus unserer allgnädigsten Königs Landen, Pastor primarius Quadbach zu Printzwalk übersendet einen Speyerer Dukaten, davon nach Abzug der Postgelder bleibt 7 Taler 30 Groschen. Ein Melchior zu Altena zeichnet 2 Taler. Es ist aber dabei vermerkt. Nicht bezahlt. Die evangelisch = lutherischen Provisores der Armen senden 3 Taler. Ein T. Holzbring schenkt 30 Groschen. Aus Gummersbach, Hülscheid, Runderorth, Neustadt, Libberhausen je mancher Taler. Aus Lennep, der Bergischen Landen kommen ebenfalls mehrere Taler. Auch eine Klage über allzu-viel Kollekten findet sich in dem Kollektenbuch. „ Die evangelische = lutherische Gemeinde zu Mühlheim wird zwar fast täglich von Kollekranten und anderen notleidenden angesprochen, hat aber auch diesmal aus ihrem

Dahler Kinder auf der Kanzel.

Geringen beigesteuert 2 ½ Taler.“ Trotz täglicher Kollekten. Also vor 200 Jahren wurde mehr Kollektiert, als heute, 185 Taler brachte die Kirchengemeinde selbst auf. 300 Taler schenkte der König, 100 Taler der Landtag. Der ganze Bau kostete etwa 1000 Taler. Aus der „ Kuhweider Mark“ wurden 12 Eichen und 20 Buchen für das Dach geschenkt. Das Mauerwerk wurde einem Meister aus Beienburg veraakordiert, so dass er „ abbrechen, wegräumen, Handreichung selbst übernehmen musste, dagegen die Gemeinde alle Materialien aus Holz, Steine, Kalk und Sand herbeischafft.“ Das Zimmerwerk verfertigte ein Meister aus Othlinghausen, das Dach Wilhelm Wengenrod zu Lüdenscheid von Antfelder Schiefern. Die Glocken wurden 1731 von Gottfried Dünkelmeier in Köln gegossen. 1056 Pfund Speise lieferten die alten Glocken. Von diesen Glocken ist zur Zeit noch eine vorhanden, und zwar die kleinere, welche einen unteren Durchmesser von 75 cm hat und 564 Pfund wiegt. Die größere Glocke ist nach Pastor Baedekers Bericht bald nach 1800 geborsten. An ihrer Stelle kam 1832 eine neue welche nach der an der selbst angebrachten Inschrift durch freiwillige Beträge der Gemeinde bezahlt worden ist. Außer dieser Angabe befinden sich auch auf dem Glockenmantel die Namen des damaligen Patrons, des Pfarrers und des Kirchenmeisters (Presbytrium). Die im Jahre 1731 neu gegossenen Glocken kosteten 137 Taler.

Fresko in der Dahler ev. Kirche

Erst im Jahre 1749 erhielt die neu aufgebaute Kirche eine neue Orgel, und zwar wurde dieselbe von einem Meister Kleinen Freckenhausen für 200 Taler gebaut, welche in und außerhalb der Gemeinde gesammelt wurden. Der Altar, (und zwar der Altar, der etwa im Jahre 1860 noch vollständig vorhanden war.) ist im Jahre 1774 von Johann Peter Holthaus in Breckerfeld gebaut, wiederum mit freiwilligen Gaben bezahlt. Er kostete mit allen Figuren 200 Taler, also soviel wie die Orgel. Von Diesem Altar ist heute noch das Hauptstück vorhanden, es hängt in der Kirche im Seitenschiff, und stellt das Abendmal des Herrn mit seinen Jüngern dar in Holzschnitzerei, er ist stark von Würmern zerfressen. Bis zum Jahre 1911 hing er über dem Altar und wurde dann durch eine farbige Reproduktion des Abendmahls von Leonardo da Vinci ersetzt. Die Kanzel, wie sie heute noch im Gebrauch ist, wurde im Jahre 1730 von einem Friedrich zu Werninghausen geschenkt. Der Stifter starb im Jahre 1738 im Alter von 86 Jahren.

Innenraum der ev. Kirche in Dahl.

Die Kirche ist vor etwa 20 Jahren einer Reparatur unterzogen worden, bei der sie einen neuen Bodenbelag erhielt. Bei dieser Gelegenheit sind die in der Kirche befindlichen Leichensteine entfernt worden. Ein Leichenstein liegt zur Zeit vor dem Turmeingang. Die Leichensteine des Hermann Dietrich Kall von Degingk (1742) und des Justizrates König (1761) sind an der Außenseite der Sakristei befestigt, einige hölzerne Totentafeln von Mitgliedern der Familie von Degingk sind Haus Dahl überlassen worden. Die Umbauten waren 1980. Der Platz um die Kirche wurde bis zum Jahre 1847 als Begräbnisplatz benutzt. Zur Zeit ist auf demselben nur noch eine Grabstelle vorhanden und eingefriedigt. Im Jahre 1847 wurde ein neuer Friedhof in der Nähe des Pfarrhauses auf Pfarrgrundstücken angelegt.

Die Pfarrer in der Gemeinde Dahl.

aus der Zeit vor der Reformation sind dem Namen nach drei Dahler Pfarrer bekannt. Johann von dem Nyenhove (1508) aus dem adeligen Geschlecht von Neuhoff bei Lüdenscheid. Johann Bauenscheid (1515 – 1555), Tönnis (Anton) Bredemann, der 1566 starb. Der Nachfolger des letzteren war Friedrich Delbrügger, der in Dahl die Reformation einführte.

Dieser Pfarrer Delbrügger war zuerst Kaplan bei Klemens Lüdemert, dem Pfarrer von Lüdenscheid gewesen. Klemens Lüdemert hatte in Lüdenscheid den Grund zur Reformation gelegt, und wohl auch Delbrügger für die neue Lehre gewonnen. Auf Lüdemers Empfehlung hin wurde Delbrügger Vikar in Dahl und zugleich Erzieher der Kinder der Herren von Kalle, damaligen Besitzers des Hauses Dahl. Als Pfarrer Bredemann 1566 starb verwaltete Delbrügger das Pfarramt, ein Jahr zur Probe. 1567 wurde es ihm fest übertragen.

Es ist nicht genau festzustellen in welchem Jahre sich die Gemeinde unter Delbrüggers Leitung und Führung von dem katholischen Glauben abwandte und die evangelische Lehre annahm, sicher ist aber, daß Delbrügger gegen den Willen seines Patrons, des Herrn von Kalle bald nach dem Jahre 1570 in die Kirche beim Gottesdienst lutherische Lieder aus dem

Die Altarplatte wird eingesetzt.

sogenannten Böhmischen Gesangbuch singen ließ. Der Patron verklagte ihn deshalb beim Herzog Wilhelm von Cleve, und Delbrügger wurde 1572 abgesetzt, so sehr auch die Gemeinde, welche mit diesem Anfang der Reformation ganz zufrieden gewesen war, durch eine Bittschrift, den Herzog sich bemühte, den Pfarrer zu behalten. Delbrügger hielt sich nach seiner Amtseinsetzung zunächst in Hunsdieck auf, übernahm dann eine Feldpredigerstelle und wurde später lutherischer Pfarrer in Boele. Um die damalige Zeit etwa, wurde auch in Hagen, Elsei, Lüdenscheid, Halver und Breckerfeld die Reformation eingeführt. Der Patron der Dahler Pfarr – Kirche, Dael von Kalle berief nach Delbrüggers Weggang den katholischen Pfarrer Dietrich Lüdemert (von Lüidtmart im Kirchspiel Lüdenscheid.) welcher, wie der spätere Pfarrer Klepping berichtet „ vergebens auf beiden Seiten hinkte, um die Gemeinde zu gewinnen“. Die Gemeinde fing nun mit dem

Kirchgänger mit bürgerlichen Trachten in Dahl um 1815.

Patron einen Prozess an, in dem sie im Anschluss an Delbrüggers Absetzung bestritt, das der Patron das Recht habe, wieder Wissen und Willen der Gemeinde den Pfarrer zu berufen, und abzusetzen. Dieser Streit wurde durch den Tod des Pfarrers Lüdemert beigelegt. Als Lüdemert 1581 gestorben war, bat die Gemeinde ihren Patron, er möchte Pfarrer Delbrügger von Boele wieder nach Dahl berufen. Der Patron willigte ein, dafür musste aber die Gemeinde seine unumschränkten Patronsrechte anerkennen und auch ihre Zustimmung dazu geben, dass der Patron die Vikarie, über die viele Jahre schon Streit gewesen war seinem Sohn verleihe und die Stelle bis zu dessen Amtsantritt durch einen anderen verwalten lasse. Der Pfarrer Delbrügger kehrt also nach neunjähriger Abwesenheit 1581 nach Dahl zurück, und führte nun die Reformation durch, unterstützt durch Gumprecht von Kalle, dem Sohn des Patrons, der sich selbst offen zur lutherischen Lehre bekannte, und auch seine Kinder in diese Lehre unterrichten ließ. Dieser Gumprecht ließ auch„ auch einen Bäcker, Namens Bernhard, in dem Altarhause (Vikariehause.) Schule halten, welche dann auch die Kinder in guten deutschen Büchern und dem Katechismus Lutherisch unterwies.“

Delbrügger starb im Jahre 1615 an 10. März. Sein Grabstein, welcher auf dem Kirchhof neben der Kirche noch heute zu sehen ist, trägt die Inschrift Anno 1615.D. 10. Martii post tribulationes Dominos fridericus Delbrügger Reformator et Pastor Ecclesiae in Dael Pie obdarmiri (obdormit.) Im Jahre 1615, 10, März, ist nach Trübsalen Herr Friedrich Delbrügger Reformator und Pastor in Dahl fromm entschlafen. Seit 1600 (in den Anfängen schon 1575) war Dahl also evangelische Kirchengemeinde. Nach dem Tode Delbrüggers im Jahre 1615 versah der Vikar Trost aus Breckerfeld den Pfarrdienst bis Anton Prätorius unter Zustimmung der Gemeinde von den Pastoren die Pfarrstelle erhielt. Dieser Anton Prätorius war vorher katholischer Pfarrer in Balve gewesen, und hatte wie es der Patron zu Dahl angab, aus Neigung die lutherischen Kirche verlassen und geheiratet. Allem Anschein nach ist er jedoch nicht in Ehren von seiner katholischen Gemeinde in Balve geschieden, sondern hatte sich in Balve durch Ausschreitungen und ungebührliches Wesen unmöglich gemacht. Prätorius gefiel aber bei seiner ersten Predigt der Gemeinde in Dahl gut und erhielt vom Patron die Pfarrstelle. Er schloss sich eng an die benachbarten lutherischen Prediger an und wurde auch selbst durchaus als solcher angesehen. Als der Patron Gumprecht von Kalle, der Drost zu Lüdenscheid war, 1619 in Dahl gestorben war wollte seine Witwe Margarethe von der Recke ihn mit einer Messe und mit katholischen Zeremonien von einem katholischen Priester beerdigen lassen. Die Gemeinde widersetzte sich und erklärte, dass sie der Leiche nur folgen würde, wenn Prätorius das Begräbnis vornehme und die Leichenpredigt halte.

Die Witwe gab nach, aber ließ für den entschlafenen Gatten auf Haus Dahl eine Seelenmesse halten, obwohl Gumprecht von Kalle ihr Gatte, doch bei Lebzeiten lutherisch gewesen war. Der Pfarrer Prätorius scheint später in seinem lutherischen Glauben wieder schwankend geworden zu sein. Im Jahre 1624 versuchte er nämlich, wohl auch auf Anregung der Witwe von Kalle, die Gemeinde Dahl zum Katholischen Glauben zurückzuführen. Als ihm dies misslang, zog er nach Hagen und bemühte sich von dort mit Hilfe des Katholischen Pfarrers Kellermann in Hagen, welcher damals die Vikarie in Dahl inne hatte, und mit Hilfe des Landesdirektors von Syberg auf Haus Busch bei Boele, des Richters Höninghaus in Hagen und der Obrist = Leutnants Brenn in Wetter, in hiesiger Gegend die katholische Lehre wieder einzuführen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Um die Jahreswende stand das Wasser in der ev. Kirche 40 cm hoch,
  • auch alle Häuser im Dorf waren betroffen
  • das  zeigt die Hochwassermarke links an der Kirche. 1948/49 wurde die
  • Mauer zwischen der Eisenbahnbrücke und der alten Steinbrücke
  • errichtet und Hochwasser konnte nach der Schneeschmelze nicht mehr
  • durch das Dorf fließen.

 

 

 

 

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