Blumenkorso im Volmetal.

Blumenkorso im Volmetal.

Massenbetrieb in Dahl, – Die große Blumenkorsofahrt. –

Ein voller Erfolg der Veranstaltung.

Sonntag, den 3. September 1933

Hagen, 4 September . Hagener Zeitung.

Das war gestern das zweite Mal, dass diese Blumenkorsofahrt im Volmetal veranstaltet wurde. Dass der Gedanke dieses Korsos gut war, das durfte man schon im vorigen Jahre feststellen. Denn schon damals

Blumenkorso Wagen in den Dahlienfeldern von Karl Haas.

hatte die Veranstaltung einen ungemein großen Zuspruch gefunden, schon damals waren Menschenmengen in Dahl, Priorei und Rummenohl auf den Beinen gewesen, wie sie bis dahin in dieser Gegend wohl nicht zu verzeichnen waren. Gestern aber durfte der Besuch des Korsos noch größer gewesen sein. Die im vorigen Jahre dort waren, sie waren auch jetzt wieder gekommen, und außerdem eben noch viele, viele, die von dem vorjährigen Erfolg gehört hatten und sich nun auch einmal die Sache ansehen wollten. Wichtig ist aber vor allem, diese Klosterfahrt auch in kulturellem Sinne zu betrachten, denn sie ist eine volkshafte Äußerung deutscher Sitte. Und gerade in unserem neuen Deutschland ist ja in herzlich begrüßenswerter Weise die Pflege deutscher Sitte, deutscher Volksgebräuche und deutscher Heimatart vorgesehen. Die Klosterfahrt im Volmetal gewinnt darum gerade in der heutigen Zeit erholte Bedeutung, und man wird den Veranstaltern dieser Fahrt darum besonders dankbar sein. Wiederum

Dahlienfelder von Karl Haas.

waren riesige Menschenmengen herbeigeströmt, aus allen Himmelsrichtungen mit allen möglichen Verkehrsmitteln, aber auch zu Fuß auf einer Wanderung durch die schönen Berge des Volmetals. Der Sonderzug ab Hagen, den ich gewählt hatte, um nach Dahl zu kommen, war derart überfüllt, dass ich mit einer Schar fröhlicher Menschen im Gepäckwagen „Platz nehmen“ misste, wo alles dicht an dicht stand, aber nichtsdestoweniger frohe Wanderlieder sang und sich vorkam wie eine große Familie, die dasselbe Ziel, eben die Korsofahrt im Volmetal hatte. Dahl hatte ein festliches Gewand an, Fahnen und Girlanden überall: dann auch Freitheken an der Straße. Es war eine festliche Stimmung. Und was natürlich außerordentlich wichtig bei einer solchen Veranstaltung ist: auch das Wetter war gut. Die Sonne lachte zwar nicht dauernd in molliger Wärme: aber die Luft war frisch, und aus dem grauen Wolken, die ab und zu ein wenig drängend über das Volmetal

    

zogen, fiel kein Regen. Ein riesiger Betrieb auf der Straße von Dahl nach Priorei. Autos in endloser Zahl, Motorräder, Radfahrer, und dann auch noch Fußgänger in langen Ketten. Die Bahndämme waren längst mit

Wagen 7 Dort unten in der Mühle.

Zuschauern besetzt. Wo sich überhaupt im Gelände Platz boten, von denen man den Korsozug sehen konnte, hatten sich wahre Heerlager von Menschen gebildet. Immer wieder waren Girlanden über die Straße gespannt, die Häuser trugen festlichen Schmuck. Auch Priorei hatte sich ein buntes Gewand angezogen und ebenso Rummenohl. Alle Wirtschaften waren bis auf den letzten Platz besetzt. Wirte und Angestellte arbeiteten sozusagen in Akkord, um die Wünsche der vielen Gäste zu befriedigen. Musik ertönte überall. Und so saß alles und wartete gespannt auf die Klosterfahrt. Sie ging diesmal von Dahl aus also in umgekehrter Richtung als im vorigen Jahr, über Priorei bis Rummenohl, wo Kehrt gemacht wurde. In Priorei löste sich dann der Zug auf. Kurz nach vier Uhr hörte man in Priorei in der Ferne Musik. Vor allem die große Trommel kündete das Kommen des Korsozuges. Bald war er heran. Und nun konnte man all das bewundern, was in langer, langer und begeisterter Arbeit für diesen Zug geschaffen war. An der Spitze ein Reitertrupp des Landwehr Ortsvereins Dahl. Bauernjungs in blauen Kitteln. Dann gab es gleich etwas aus der Volkssage „Sage vom Finking“, (Volksschule Dahl), wobei eine Gruppe freundlicher Zwerge eine besondere Rolle spielte. Es folgten

  

einzelne Märchenbilder, so „Brüderchen und Schwesterchen“ (Volksschule Kalthauser Höhe), „Dornröschen“ (Volksschule Deipenbrink) und „Schneewittchen“ (Volksschule Hunsdieck), Gruppen, ganz aus dem Märchen

Löschgruppe Dahl.

heraus empfunden und lieblich anzuschauen. Dem deutschen Gesang waren die folgenden Gruppen gewidmet, die der MGV „Deutsche Eiche“ Rummenohl stellte: Radfahrer, die Schilder mit sich führten „Das Deutsche Lied, die Krone des Gesanges“ und eine sehr stimmungsvolle Szene „Dort unten in der Mühle“ dienten hier die Idee des deutschen Liedes. Sehr heiter das „Im tiefen Keller sitz ich hier“ (MGV. Dahl) und hübsch sinnvoll die „Bauernhochzeit“ (Turnverein Dahl), wo der Bräutigam mit der schleiergeschmückten Braut am hochzeitsfestlichen Tisch dass. „Der Brand vom Finking anno dazumal“ (Feuerwehr Dahl) zeigte eine lustige Episode mit einer unermüdlich Wasser pumpenden Feuerwehr und einen qualmenden Häuschen. Vorher hatte es noch einen hübsch ausstaffierten Blumenwagen der Gärtnerei Ruhl, Breckerfeld gegeben. Sehr nett und gefällig dann auch der „Leierkasten von Rüggebein“ (SGV Dahl), und echter Ausdruck volkstümlichen Lebens

Freuwillige Sanitäts – Kolonne vom Roten Kreuz Dahl an der Volme.

  

die „Westfälische Spinnstube“ (NS. Kriegsopfervereinigung Dahl) und Abbild alten deutschen Handwerks“ Eine alte Pfannenschmiede“ (Firma Krampe, Roland). Auch der „Alte Meiler“ (SGV Rummenohl) war hübsch gebaut und hatte gleich die kleine Köhlerhütte bei sich. Und auf dem Wagen

„Im Wald und auf der Heide“ (Schützenverein Dahl und Umgebung) sah man einen Jäger auf dem Anstand sitzen, der einen Raubvogel erlegte, andere Schützen droschen Skat, und ein richtiges Rehlein guckte wissbegierig aus einem Käfig heraus. Besonders bunt in Blumen stand die „Windmühle“ (Turnverein Rummenohl) da, eine Erinnerung an die letzte Windmühle des Sauerlandes in Breckerfeld. Wieder auf einem anderen Wagen war der Prioreier „Karlsturm“ (SGV. Priorei) zu sehen, den man übrigens gleichzeitig oben auf Bergeshöhe erblicken konnte. Radfahrergruppen (Schüler und Schülerinnen der Schulen) kamen mit bunten Rädern, „Westfälische Musterungsjungens“ (Turnverein Priorei) marschierten in luftigem Zug. Und dann kam ein besonders schöner Wagen (Gärtnerei Haas, Dahl), betitelt „Lohengrin“ mit einem riesigen

    

Schwan, ganz aus Blumen aufgebaut, und dahinter in lichter Rüstung Lohengrin. Auf dem Wagen „Dahler Heimatbilder“ (Metzgerei Neuhaus, Dahl) stand in der Dahler Kirche in einer reizenden Miniatur = Ausgabe

und ein altes Dahler Haus. Ein fein gemachter Blumenwagen (Margaretenhof Dahl) folgte. Darauf kam wiederum eine echt volkshafte Gruppe „Im Feldquartier auf hartem Stein“ (Stahlhelm Dahl), deutsche Jugend und deutsche Männer in Feldgrau im Feldlager, dem der ebenfalls außerordentlich gefallende „Letzte Erntewagen“ (Rektoratsschule Dahl) mit jungem Schnittervolk folgte Gefällige Gruppenbilder der Volksschule Priorei waren eingereiht, ein Wagen des Turnvereins Priorei war „Wintersport“ betitelt und zeigte Schiläufer inmitten verschneiter Tannen. „Deutsche Kraft“ (Arbeitsdienstlager Linscheid) zeigte arbeitssuchende deutsche Jugend, „Volmematrosen“ (Volksschule Rummenohl) wirkten freundlich und hatten Matrosenkluft an, die in ausfallender Farbenpracht leuchtete „Auf Regen folgt Sonnenschein“

 

(Wirteverein Dahl), ein riesiger, in bunten Farben aufgemalter Regenbogen mit silbernen Sonnenstrahlen (die berechtigte Sehnsucht der Wirte). Ferner war das „Rote Kreuz“ (Sanitätskolonne Dahl) ein sehr gut

Metzgerei Willi Neuhaus.

aussehender Wagen, einige Blumenwagen mehrerer Autobesitzer in Dahl reihten sich bunt ein und wurden mit Beifall begrüßt und auf dem Schlusswagen stand das Kiepenlisettken und rief allen, die da an der Straße standen oder aus den Fenstern der Häuser zum Korsozug hinabsahen zu. „Auf frohes Wiedersehen beim nächsten Blumenkorso am 2. September 1934. Dann war der so hübsche und inhaltsreiche Korsozug zu Ende. Und wenn man alles, was er brachte, zusammenfassend betrachtet, so wird man ihm wiederum gern zugestehen, dass er ein echter Ausdruck deutschen Heimatempfindens war. Gerade das ist ja das Schöne an ihm, dass das Empfinden, das aus allen seinen Gruppen spricht, ganz im Heimatgefühl ruht. So hat dieser Korsozug seine hohe, volkskulturelle Bedeutung. Und dankbar winkt man deshalb dem Kiepenlisettken zu, als es noch hieß, dass der Korsozug im nächsten Jahre wieder veranstaltet würde. So wird die Klosterfahrt

Blumenkorso Wagen vor Hotel Dresel in Rummenohl.

im Volmetal Tradition, volkstümliche, gesunde und deutsche Tradition, wofür jeder, dem es um deutsches Wesen geht, dankbar bleibt. Als sich der Korsozug, nachdem er von Rummenohl zurückgekehrt war, auf der Festwiese in Priorei in Reih und Glied aufgestellt hatte, hielt Bürgermeister Watermann zum Abschluss der Veranstaltung eine längere Ansprache. Im Namen der Gemeindeverwaltung und auch des Verkehrsausschusses hieß er alle Anwesenden herzlich willkommen, die Vereine, die Schulen, die

    

sonstigen bei dem Korso Mitwirkenden und auch alle die Zuschauer, die von nah und fern herbeigekommen waren. Er sprach dann allen, die sich um die Durchführung des Korsozuges verdient gemacht hatten, vollen

  

Dank aus, vor allem dem Arbeitsausschuss, der unter Führung von Lehrer Hackenberg auch in diesem Jahre keine Mühe und Arbeit gescheut habe, um den Korsozug interessant, inhaltsreich und volkstümlich

auszugestalten. Die Natur, so fuhr der Redner fort, zeige gerade jetzt eine große Pracht, und ein Teil dieser Pracht seien die Blumen. Sie seien Wunderwerke der Natur, und gerade mit Blumen pflegen die Menschen ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken. Gerade Blumen seien ein Zeichen der Verbundenheit, und auch die Korsofahrt solle ein solches Zeichen sein, sowohl der Verbundenheit der Volmetalbewoner unter sich als auch ihrer Verbundenheit mit den Besuchern des schönen Volmetals, überhaupt einer Verbundenheit mit der deutschen Geschichte, mit deutscher Sitte und deutscher Heimat. Ein Streben nach solcher Verbundenheit und Volksgemeinschaft walte vor allem im heutigen Deutschland, und dafür sei man den Männern, die dieses Deutschland geschaffen haben, vor allem unserem Reichskanzler

Adolf Hitler, tief und herzlich dankbar. Solch eine Volksgemeinschaft sei ein kostbares Gut, und der Blumenkorso im Volmetal solle dazu beitragen, dass diese Gemeinschaft immer mehr geschaffen und gefestigt werde, so wollen die Bewohner des Volmetals auf ihre Weise auch durch den heimat = und volksverbundenen Korsozug mitschaffen an der Wiederaufbauarbeit im neuen Deutschland und in dieser Arbeit treu stehen zu unserem Volkskanzler und zum deutschen Vaterland. In diesem Sinne dem deutschen Vaterland ein dreifaches Siegheil. Alles stimmte in den dreifachen Ruf ein und sang dann noch die erste Strophe des Deutschland = und des Horst Wessel Liedes. Damit hatte die zweite Korsofahrt im Volmetal ihren Abschluss gefunden. Sie war wiederum in jeder Beziehung ein voller Erfolg, und für alle, die sie sahen, ein echtes, Erlebnis. Und, wie gesagt, gern rief man dem Kiepenlisettken zu: „Auf Wiedersehen beim Blumenkorso im nächsten Jahr!“

Beim vergrößern des Fotos kann man einen Beleuchtungskörper über der Bogenbrücke erkennen.

Blumenkorsofahrt

Sonntag, den 3. September 1933

Erläuterung des Festzuges

  1. Reitertrupp          Landwirtschaftlicher Ortsverein Dahl.
  2. Sage vom Finking (oberhalb Dahl gelegen) Volksschule Dahl.
  3. Brüderchen und Schwesterchen Volksschule Kalthauser Höhe.
  4. „Dornröschen“                   Volksschule Deipenbrink.
  5. „Schneewittchen“                     Volksschule Hundsdieck.
  6. a) „Das deutsche Lied, die Krone des Gesanges M.- G.- V.- Deutsche Eiche Rummenhol.
  7. b) Dort unten in der Mühle“
  8. „Im tiefen Keller sitz ich hier“          M.- G.- V. Dahl.
  9. Blumenwagen „Gruß aus Breckerfeld Gärtnereibesitzer A. Ruhl, Breckerfeld.
  10. Bauernhochzeit          Turnverein Dahl.
  11. Der Brand von Vinking anno dazumal Feuerwehr Dahl.
  12. „Haferkasten von Rüggebein S.- G.- V. Dahl.
  13. Westfälische Spinnstube N. S. Kriegsopfervereinigung Dahl.
  14. Eine alte Pfannenschmiede          Firma Krampe Ww., Roland.
  15. Ein alter Meiler          S.- G.- V. Rummenohl.
  16. Im Wald und auf der Heide          Schützenverein Dahl und Umgebung.
  17. Windmühle (Erinnerung an die letzte Windmühle des Sauerlandes in Breckerfeld.

Turnverein Rummenohl.

  1. Prioreier Aussichtsturm (Karlsturm) S.- G.- V. Priorei.
  2. Radfahrergruppen                   Schüler und Schülerinnen aus Schulen.
  3. Westfälische Musterungsjungens Turnverein Priorei.
  4. „Lohengrin“                   Gärtnerei Haas, Dahl.
  5. Dahler Heimatbilder          Metzgerei Wilhelm Neuhaus, Dahl.
  6. Blumenwagen          Margaretenhof Dahl.
  7. „Im Feldquartier auf hartem Stein“ Stahlhelm Dahl.
  8. Der letzte Erntewagen          Rektoratschule Dahl.
  9. Gruppenbilder          Volksschule Priorei.
  10. Wintersport                   Turnverein Priorei.
  11. Deutsche Kraft          Arbeitsdienstlager Linscheid.
  12. Freiwillige Arbeit (Gruppenbild) Arbeitsdienstlager Dahl.
  13. Volmematrosen          Volksschule Rummenohl.
  14. Auf Regen folgt Sonnenschein Wirteverein Dahl.
  15. Das Rote Kreuz          Sanitätskolonne Dahl.
  16. Blumenwagen          Mehrere Autobesitzer von Dahl.
  17. Im Schlusswagen ruft Kiepenlisettken allen Besuchern zu:

„Auf Wiedersehen beim nächsten Blumenkorso 2. September 1934.“

 

 

 

 

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