Bürgerhalle in Dahl.

Rettung gelungen, Bürgerhalle lebt

Was die Alten einst begangen, setzen Dahler heute fort

HA – Dahl. „Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu erhalten“ – Goethes Sinnspruch könnte das Motto liefern, unter dem weitere Kreise der Dahler Bevölkerung Erhalt und Aufbau ihrer Bürgerhalle

Bürgerhalle in Dahl.

betreiben. Zur Durchsetzung dieser Ziele wurde eigens eine Trägergemeinschaft gegründet, die in die Fußstapfen der Altvordern tritt und dafür Sorge trägt, daß ein starkes Stück Dahl erhalten bleibt. Mag es Lokalpatriotismus sein – wichtig ist, was “hinten rauskommt“, wie unser Kanzler dereinst verlauten ließ. Jetzt zeigen sich die Früchte des Engagements. Die Sporthalle ist aus dem sportlichen und kulturellen Leben der Volmetaler nicht mehr wegzudenken. Wie sehr die ehemalige Turnhalle mit der heimatlichen Geschichte verbunden ist, zeigt ein Blick in die Annalen des TV Dahl 1878, heute TSV, auf dessen langjähriges Betreiben hin der Bau mit viel Begeisterung und persönlichem Einsatz im Jahre 1923 in Angriff genommen wurde. Damals besetzten die Franzosen das Ruhrgebiet, um den passiven Widerstand der arbeiteten Bevölkerung zu brechen. in dieser Zeit machte die sogenannte Rhein – Ruhr – Hilfe Finanzmittel für Projekte aller Art

„locker“ ; so konnte auch der TV Dahl Gelder für seine geplante Turnhalle inklusive Bühne für festliche Anlässe in Anspruch nehmen. Das setzte den Verein schließlich in die Lage, mit den Spenden der Mitglieder ans Werk zu gehen. Architekt Lüling aus Halver hatte noch vor dem Beginn des ersten Weltkrieges im Jahre 1912 einen kostenlosen Bauplan erstellt, dessen Umsetzung nun, elf Jahre später, nichts mehr im Wege steht. Aus der Volme wird Kies herangekarrt und damit das Fundament gegossen. Die Grauwackersteine, aus denen die vier Seitenmauern bestehen, stammen vom Ambrocker Steinbruch. Bauholz liefern die heimischen Wälder: 36 dicke Buchen, im Sägewerk Göddersmann in Schalksmühle verarbeitet. Zement erhalten die Dahler Turner von der Wikkingschen Industrie aus Hagen. Die Bauarbeiten, Samstag und sonntags in Eigenarbeit durchgeführt, dauern Wochen und Monate. Trotz 12 Stunden – Tag und Inflation – der Elan bleibt ungebrochen, wie der Trägergemeinschafts – Vorstand heute stolz bemerkt.

Von einer Verpachtungsmiete anläßlich des Bezirksturnfestes 1926 baut man schließlich den Fußboden ein, nachdem mit Gemeindehilfe bereits 1924 das Dach erstellt werden konnte. Erst 1934 ist die Turnhalle endgültig fertiggestellt, im folgenden Jahr sind Bühne, Decke und Wände verputzt. Nicht lange haben die Dahler Freude an ihrer schmucken Halle: vom TV Dahl bis dahin in eigenenergie verwaltet, folgt die Enteignung durch die Nazis. 1940 werden dort Möbel ausgebombter Einwohner untergestellt, außerdem sind große Schäden durch Kriegseinwirkungen zu verzeichnen. Erst im Jahre 1955 ist das Gebäude nach Umbaumaßnahmen wieder benutzbar, die Wiedereinweihung findet 1965 statt.

Zeitsprung in die 90er Jahre. Wieder hängt das Schicksal der Turn und Festhalle in der Luft – das Stadtsäckel ist leer, die weitere Nutzung ist ungewiß. Was tun? Plötzlich ist die Unterbringung von Aussiedlern im Gespräch – eine erste Unterschriftenaktion vor Ort findet statt, das Ansinnen wird abgewehrt. Man munkelt jedoch auch von Abriß, denn die Verwaltung trägt sich verstärkt mit Bebauungsplänen auf dem Terrain der Halle, seitdem Asbestbelastung die weiter Nutzung unmöglich macht. Die Heizungsrohre sind mit dem krebserregenden Material ummantelt. Schließlich wird das Gebäude von 1992 bis Frühjahr 94 geschlossen, das betreten ist verboten. Schon scheinen die Tage der Turn – und Festhalle endgültig gezählt, zumal 1993 im Volmetal ein großzügiges Sportzentrum seine Pforten geöffnet hat.

Weihnachtsfeier in der Bürgerhalle.

Doch als 1993 beim Dezember Hochwasser abermals das Terrain vor der Halle überschwemmt wird scheinen

Bauernmarkt in und an der Bürgerhalle.

auch die Bebauungspläne der Stadt davonzuschwimmen. Im Gegenzug formiert sich in Dahl die Bevölkerung, um für den Erhalt ihrer Einrichtung einzutreten – im April 1994 übernimmt schließlich die Trägergemeinschaft Bürgerhalle Dahl e. V. mit dem ehemaligen Ganztagsschulleiter und TV Vorsitzenden Erich Wittig an der Spitze das Ruder. Darin sind der örtliche MGV, der SGV, die Freiwillige Feuerwehr, der Kaninchenzuchtverein, die Geflügelzüchter, die SpsDaKa, die Brauerei Vormann und nicht zuletzt der TSV Dahl vertreten.Bürgerversammlungen und zähe Verhandlungen mit städtischen Vertretern des Haupt -, Rechts -, Liegenschafts – und Sportamts kennzeichnen den Beginn der Aktivitäten. Zunächst geht es darum, einen

  

Hochzeiten / Festlichkeiten.

vernünftigen finanziellen Rahmen für die Übernahme auszuhandeln. Die von der Stadtverwaltung errechnete Summe von rund einer Million Mark die für die Instandsetzung wird dabei als überhöht kritisiert.

  

Musikabend / Reinhold Pfeiffer zeigt seine Prominenten Sammlung.

Denn man habe nun mit Eigeninitiative zu rechnen, die deutlich preiswerter ausfalle. Nicht zuletzt durch die noch kooperativen „Leute vom Amt“ können die zielstrebigen Dahler Aktivisten recht bald Ergebnisse vorweisen: eine Bürgschaft von 30.000 Mark wird ausgehandelt, außerdem ein städtischer einmaliger

  

Zuschuss von 12.000 Mark sowie eine jährliche Unterhaltungsgebür von 15.000 Mark. Schließlich wird ein Pachtvertrag für zehn Jahre unterschrieben. Und damit kann die Dahler Bürgerhalle wieder als Begegnungs

Vespa Treffen an der Bürgerhalle.

-, Kultur -, und Sportstätte dienen, als die sie die Altvordern vor langer Zeit auch konzipiert haben. Fortan heißt es: Rann an die Arbeit. Und die Dahler packen an: Die asbestverseuchten Heizungsrohre werden komplett ausgetauscht, nachfolgende Messungen zeigen: alles okay. Zahlreiche Spenden aus Bürgerhand fließen in das Projekt, mit Riesenschritten geht der Aufbau voran. Klempner bringen nach Feierabend die sanitären Anlagen auf den neusten Stand, neue Fenster werden eingesetzt, die Bühne generalüberholt, der Holzboden gereinigt und die Wände gestrichen. Ein Berg von Tellern wird für die Küche gestiftet – und, und, und. So kann schließlich eine stolze Bürgerschaft am ersten Maiwochenende dieses Jahres die feierliche Eröffnung ihre Halle feiern. Wenn das die Alten noch gesehen hätten.

  

Noch sind die Bauarbeiten und Erweiterungsmaßnahmen nicht abgeschlossen. Zur Zeit entsteht ein erweiterter Schankraum, und an manchen Ecken und Enden muß noch Hand angelegt werden. Die Begeisterung ist nahezu greifbar und wird wohl noch lange vorhalten. „Wir sind noch lange nicht am Ziel, doch so schnell voranzukommen, hätten wir uns nicht träumen lassen“, so gibt der Vorstand der Trägergemeinschaft die vorherrschende Stimmung wieder.

Zeichen des Erfolgs: Schon hat sich die Bürgerhalle wieder als Veranstaltungsort etlicher Aktivitäten von Vereinen und privaten Gruppen bewährt. Bis zum Juni kommenden Jahres liegen Anmeldungen vor: Betriebsausflüge, Zuchtschauen, Geburtstage, Hochzeiten, Musikveranstaltungen und Feste aller Art. Für Ende Oktober hat sich sogar das Stadttheater mit einer Darbietung von „Hörst du mein heimliches Rufen?“ angesagt, ebenso streben das Kindertheater Firlefanz und der Zirkus Quamboni auf die Bühne. Fazit: Die Halle lebt! Wer sich über das Programm informieren oder selber Veranstaltungen anmelden möchte:

Trägergemeinschaft Geschäftsführer Wilhelm Vogel, Zum Hohenhof 13, 58091 Hagen Telefon 03227 / 1649 hat für alle Interessenten ein offenes Ohr.

Trägergemeinschaft der Bürgerhalle.

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.